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Angelfall – Nacht ohne Morgen ─ Susan Ee

Die Welt wie sie uns bekannt ist, existiert nicht mehr. Engel sind vom Himmel gefallen und töten Menschen. Der Krieg zwischen Menschen und Engeln hat die Welt in Schutt und Asche gelegt. Vereinzelt leben die Menschen zwischen diesen Trümmern und kämpfen um das nackte Überleben. So auch Penryn und ihre Familie.

Bisher schlagen sie sich gut. Solange man den Engeln ausweicht. Doch als Penryns kleine Schwester plötzlich von den Engeln verschleppt wird, macht sich Penryn nach San Francisco, dem Hauptquartier der Engel, auf um sie zu retten. Und mit im Gepäck ist ein flügelloser Engel…


Meinung

Hallo, und ein Herzliches Willkommen zur göttlichen Freakshow!

Keine Sorge, ihr seid schon ganz richtig hier bei der Rezension zu Angelfall – Nacht ohne Morgen von Susan Ee.

Im Nachhinein muss ich echt schmunzeln, dass ich mal eine Dystopie mit Engeln gelesen habe. Eigentlich mache ich eine große Kurve um das Thema Engel. Engel sind mir oftmals, egal in welcher Form, zu kitschig. Auch ein wenig zu religiös angehaucht. Aber ehrlich? Die meisten Geschichten gäbe es nicht ohne das Gute und das Böse. Und das in urchristlicher Form! Himmel und Hölle. Engel und Dämonen. Gott und der Teufel. Ihr versteht? Allein die Bibel quillt von solchen Geschichten über. Und das ist ja DAS Buch, oder?

 

Hätte Michelangelo das Ganze bei Tageslicht mit durch die Glaskuppel hereinströmenden Sonnenstrahlen gesehen, er wäre auf die Knie gefallen und hätte bis zur Erblindung gemalt. ─ S. 290

 

Doch keine Sorge, allzu religiös wird Angelfall – Nacht ohne Morgen dann auch nicht. Vielmehr spielt die Autorin mit den Mythen. Um die sogenannten Erzengel, Nephilim und Dämonen. Kleiner Wermutstropfen – all das auf dem Rücken der Menschheit. Aber hey! Wo bleibt sonst der Spaß und die Herausforderung.

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Das soll um Himmels Willen (haha – sauberer Zusammenhang!) nicht so schrecklich sarkastisch klingen, wie es, glaube ich, tut. Denn ich bin nach wie vor unfassbar begeistert von diesem ersten Band der Trilogie. Nach der letzten Seite habe ich das Buch in den Händen gehalten und in den leeren Raum geschrien „Wie geil ist das denn?!“

 

Wenn du nur klein genug bist, um zu allen in deinem Umfeld aufschauen zu müssen, gibt es nichts Besseres als einen richtig schmutzigen Kampf. Das ist mein neues Motto. Ich glaube, ich werde es beibehalten. ─ S. 161

 

Doch was genau ist denn so geil an der Geschichte?

Fangen wir mit Penryn an. Oh, Penryn-Schatzi-Baby! Was liebe ich doch ihre Art. Ich könnte die Autorin dafür knutschen, wie gut ihr dieses vielschichtige, sehr erwachsene, aber auch im Kern mal verunsicherte Bild einer jungen Frau gelungen ist. Und diese Kombi finde ich schon einsame Spitze. Aber das Penryn so überaus verdammt hammer ist! Aaargh! Ich liebe es! Penryn ist tough. Sie ist unglaublich klug. Und was ihr einen enormen Vorteil in dieser Dystopie verschafft – obwohl sie weiblich, klein und knuffig ist – sie weiß sich zu verteidigen. Das Mädel geht sogar so weit und nutzt dieses Bild eines stereotypen Mädchens total berechnend aus, um ihre Gegner zu täuschen, zu überraschen. Denn sie ist analytisch, sie wägt selbstsicher Chancen im Kampf oder auf der Straße ab. Und sie hat es drauf. Ich möchte schon fast weinen vor Euphorie, dass es mal ein weiblicher Charakter in einem Buch schafft, nicht das hilflose Püppchen zu mimen.

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Der Hintergrund dazu, warum das so ist, ist so wahnwitzig wie komisch. Ich würde so gerne darüber schreiben, aber dieser Aspekt sollte erlebt und eigens im Buch erschlossen werden. Ich fand dieses Irre schon sehr amüsant und es gibt dem Charakter von Penryn so eine unverwechselbare Würze. Herrlich.

 

Denn zugegeben: Manchmal gibt es auch solche Charaktere in einem Buch, die bekommen dieses Bild der Abgeklärtheit schon relativ früh in der Geschichte auf den Leib geschneidert, aber handeln dann irgendwann total unlogisch und entgegen ihrer Art. Penryn bleibt sich aber fortwährend in der Geschichte treu. Ich müsste lügen, wenn es nicht ein oder zwei Szenen im Buch gäbe, wo sie doch kurz mal wackelt. Das liegt natürlich, wer hätte es anders gedacht? – an der Existenz und Gegenwart von Raffe.

 

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Who the fuck is Raffe?

Raffe (ich hab ein enorm wortästhetisches und verbal umsetzbares Problem mit diesem Spitznamen) ist der gefallene Engel. Der Engel, der sich mit einer Schar anderer Engel zu Beginn von Angelfall – Nacht ohne Morgen anlegt und dabei seine Flügel einbüßt. Also… sie werden ihm schnippedischnapp abgetrennt.

Und diese Szene gibt einem recht früh einen Einblick auf die bunten und detailreichen Beschreibungen solcher Brutalitäten. Ich könnte an der Stelle sagen, uuh, ist jetzt nicht jedermanns Ding. Sollte man es vielleicht doch nicht lesen? Aber nein! Ich sage: Ihr habt damit ein Problem? Get over it! Das ist nicht schön und zart, wie eine flauschige Engelsfeder, aber verdammt, es ist näher an der Realität, als ich das je in einer Dystopie gelesen habe! Wenn man ums verdammte Überleben kämpft, nicht elendig verrecken will, dann verletzt man sich. Und dann sind das nicht nur zarte Kratzer. Das geht dann schon einmal durch Mark und Bein. Da fließt Blut, da sind offene Wunden, da sind unfassbare Schmerzen. Und da bleiben Narben. Was ich damit sagen will: Die Szenen in dem Buch sind nie geschönt. Ich war manchmal auch leicht angewidert, mal erschrocken und doch hat es mich fasziniert. Unglaublich fasziniert. Darüber hinaus, gehört und passt es zu der düsteren Art des Buches. Allein das Cover sorgt schon für eine gewisse Grundstimmung. Der Inhalt des Buches bestätigt das nur.

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Für den nötigen Fun-Faktor, zwischen all dieser Ernsthaftigkeit – in Bezug auf das Überleben – ist aber auch gesorgt. Susan Ee bedient sich in den Dialogen einer Schlagfertigkeit, die sicher nicht nur mir gefällt. So manche Situation bekam durch das verbale Zwischenspiel von Raffe und Penryn eine Komik, die ich so nicht erwartet hätte. Die aber das Buch in sich wieder komplett macht.


Fazit

Angelfall – Nacht ohne Morgen von Susan Ee klopft den Staub von alten Mythen und religiösen Grundbausteinen. Ich würde sogar so weit gehen und es als fetzig beschreiben. Hier gibt es Emotion, Dramatik und eine evolutionäre, religiöse und demografische Kontroverse. Welcher Engel bezeichnet sich wohl schon als Agnostiker! Wie geil! Und manchmal ist zwischen all dem Gemetzel sogar ein Hauch Poesie zu finden. Was ich noch erstaunlicher finde. Ich bin unglaublich begeistert von diesem Auftakt und kann kaum noch bis Januar 2017 warten, bis der Folgeband Angelfall – Tage der Dunkelheit erscheint.


Habt ihr das Buch schon gelesen und vielleicht kennt ihr ähnliche, die mir gefallen könnten?

Weitere Rezensenten:

Stehlblüten | Damaris liest | Booknator

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