Rezension | Cavaliersreise | www.goldblatt-blog.de
Rezensionsexemplar  

Cavaliersreise ─ Mackenzi Lee

Eine Junggesellenreise, die unerwartete Stolpersteine bereit hält… Kunterbunt, mit Esprit und einen besonderem Charme, der aber auch ernste Töne trifft, ist Cavaliersreise ein Buch, was man gelesen haben muss!

Cavaliersreise verspricht auf den ersten Blick anders zu sein, als gängige Jugendliteratur. Das fängt beim äußeren Erscheinungsbild an, mit dem historischen, barocken Touch, dem royalen Rot und den feinen Details bei der Covergestaltung. Doch was das Buch von Mackenzi Lee dank der Detailliebe des Königskinder Verlags verspricht, hält es eben auch. Es ist anders.

Mackenzi Lee hat es für mich geschafft, historische Aspekte und eine Geschichte, die nicht in unserer Gegenwart spielt, so zu verpacken, dass es aber locker eine sein könnte. Sie hat eine ganz einzigartige Symbiose geschaffen, dass moderne und historische Punkte der Geschichte miteinander ganz wunderbar harmonieren.

Wie seltsam, sterben zu wollen. Und wie seltsam, wenn man zudem noch glaubt, man habe so einen simplen Ausweg nicht verdient. ─ S. 124

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Worum geht es in der Geschichte? Cavaliersreise bietet eine abenteuerliche Reise mit einem Dreiergespann, die gar nicht so abenteuerlich beginnt. Da sind Henry Montague, sein bester Freund Percy und seine Schwester Felicity. Die drei begeben sich mit einem Anstandswauwau auf die Reise Richtung Frankreich und Italien, wo sich die jungen Herren den Gesellschaften dieser Länder empfehlen sollen und Felicity auf dem Rückweg in ein gehobenes Mädcheninternat gesteckt werden soll. Henry und Felicity sind Geschwister. Beide haben augenscheinlich wenig gemeinsam.

Felicity ist eine starke, junge und vor allem belesene und kluge Frau. Man sollte sie definitiv nicht unterschätzen, auch in ihrem Wert für diese Geschichte. Sie kann durchaus kratzbürstig erscheinen, allerdings steckt da wesentlich mehr hinter und es hat mir so viel Spaß gemacht Felicity in dieser Geschichte aufgehen zu sehen. Henry, der eigentliche Protagonist dieser Geschichte, aus dessen Sicht auch erzählt wird, ist das komplette Gegenteil. Er sprüht vor Leben, trägt das Herz auf der Zunge, Chancen und Gelegenheiten lässt er nicht ungenutzt und gerade deswegen musste er an der einen oder anderen Stelle unschöne Konsequenzen daraus ziehen. Er ist durch und durch ein junger Lebemann. Das kann man so sagen, und eine gewisse Naivität und Arroganz kommt da ganz natürlich mit, doch ist Henry keine statische Figur in diesem Roman. Henry entwickelt sich enorm und auch wenn er auf den ersten Blick den typischen Bonzenjungen verkörpert, steckt auch in ihm so viel mehr.

Diese Entwicklung und Offenheit verdankt Henry, meiner Meinung nach, seinem besten Freund Percy. Die beiden kennen sich von Kindesbeinen an und schnell wird deutlich, dass Percy und Henry ein wahres Dreamteam sind. Auf so vielen Ebenen. Denn ein kleiner, aber wunderbarer Aspekt ist eben die Tiefe der Gefühle, die sowohl Henry und Percy füreinander hegen. Bis sich beide diese Gefühle auch eingestehen vergeht tatsächlich einiges an Zeit, aber es ist herrlich zu beobachten, wie auch eine gewisse Angst vor einer Liebe, die aus einer Freundschaft entstanden ist, eine Rolle spielt. Die Autorin hat hierfür ganz besondere Worte gefunden, welche der Geschichte noch einen besonderen und exklusiven Hauch an Romantik verleiht.

Eine kleine  Verschiebung der Attraktionskräfte, und schon purzeln die Sternbilder durcheinander, taumeln die Planeten aus ihren Bahnen, und ich selbst irre ohne Richtung und Ziel durch die Wüstenei einer Liebe zu meinem lebenslangen besten Freund. ─ S. 34

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Wer als Leser auf Diversität steht, der rennt mit Cavaliersreise durch offene Tore. Denn diese Geschichte bietet Vielseitigkeit. Und das nicht zu knapp.

Die Autorin integriert u. a. unterschiedliche ethnische Herkünfte, thematisiert Homo-/Bisexualität, Epilepsie und Feminismus. Daneben bietet Mackenzi Lee dem Leser eine rasante Abenteuergeschichte, die schon sehr bald nichts mehr mit dem Glanz und Glamour zu tun hat, den man anfangs vielleicht vermutet. Wir reisen als Leser mit der Kutsche, übernachten unter Brücken, werden beraubt, verprügelt, finden Unterschlupf im Laderaum eines Schiffes als blinde Passagiere und waten durch Gebeine auf einer versinkenden Insel. Das Beste an diesem Buch ist tatsächlich, dass die Autorin so viele verschiedene Handlungsorte und Personen und Themen in die Geschichte selbst gepackt hat, aber es zu keinem Zeitpunkt überladen wirkt. Ich habe da schon anderes gelesen und wurde wortwörtlich erschlagen.

Hier schafft es aber die Autorin, dass ich mit dieser Welt verschmelze, ihr Schreibstil lässt Platz für Details, ohne dass die zu dick auftragen oder ausschweifen. Mackenzi Lee akzentuiert, brilliert mit einer hervorragenden Recherchearbeit im Vorfeld zum Buch, behält ein gutes Erzähltempo bei und schafft eine Balance zwischen Action, Romantik und Historie. Und obendrauf ist da einfach so viel Humor und Charme.

Mir ist beim Lesen niemals langweilig geworden, die Charaktere wachsen einem schnell ans Herz und ich finde es selbst doch etwas erstaunlich, wie dieses Buch tatsächlich dem „Hype“ standhält. Denn vorher habe ich schon so viel Gutes über das Buch gehört, dass ich etwas skeptisch war, ja, vielleicht sogar etwas Angst hatte. Doch Henry und seine beiden Begleiter haben mich all das vergessen lassen.


Fazit

Cavaliersreise von Mackenzi Lee ist für jeden Leser etwas. Trotz historischer Aspekte ist dieses Buch alles andere als altbacken. Man sollte sich heranwagen, denn man wir auf jeden Fall belohnt mit Lesestunden, in denen gelacht, geschmunzelt, aber auch geweint wird.


Infos zum Buch


Weitere Rezensenten:

Anima Libri | Miss Foxy Reads | Influenza Bookosa

 

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2 thoughts on “Cavaliersreise ─ Mackenzi Lee

  1. Oh, dieses Buch mochte ich auch so gerne (https://stefkabloggt.blogspot.de/2017/04/stefka-reads-cavaliersreise-die.html). Irgendwie ist es ja schon eine irre Mischung aus historischem Roman und Abenteuergeschichte. Für mich waren, glaube ich, die Charaktere das absolute Highlight. Die mochte ich alle total gerne. Und mit Felicity gab es endlich einmal einen richtig starken Frauencharakter.

    Es war schön, durch Deine Rezension an dieses Highlight erinnert zu werden.

    1. Hallo Stefka,

      irre Mischung trifft es ganz gut. 😀
      Und die Charaktere waren echt ein sehr besonderer Part des Buches.

      Liebe Grüße
      Rebecca

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