Rezension | Kuss der Lüge | www.goldblatt-blog.de
Rezensionsexemplar  

Der Kuss der Lüge ─ Mary E. Pearson

Eine Prinzessin auf der Flucht vor ihrem alten Leben. 
Sie sollte verheiratet werden, um ein Bündnis zwischen zwei Königreichen zu besiegeln. Doch Lia mag sich nicht ihrem auferlegten Schicksal beugen. Sie flieht. Doch sie rechnet nicht damit, dass ihr der Prinz folgt. Und ein Attentäter. Und, dass sich beide in Lia verlieben.

Wenn man als Buchblogger so durch das Netz streift, ist einem kaum entgangen, dass da eine dicke Hype-Welle über den großen Teich auf uns zuschwappt. Ich rede hier von den Chroniken der Verbliebenen. Oder auch durch den Auftakt bekannt als „Der Kuss der Lüge“ von Mary E. Pearson. 

Bereits im Vorfeld gab es eine Blogtour, bei denen u. a. die Bookwives oder Damaris liest die Reihe und den ersten Band vorgestellt haben. Einige Blogger haben ebenfalls vorher Exemplare erhalten und auch ich durfte durch die Community-Plattform Lesejury.de, die von Bastei Lübbe betrieben wird, das Manuskript zum Buch lesen.


Und jetzt Butter bei die Fische! 

Schon in der Leseprobe habe ich mich in dem Setting und in der Situation, in der die Prinzessin, Lia, flüchtet, sehr gut hineinfinden können. Es hat sich zügig gelesen, dank der sehr gewählten Sprache von der Autorin und es hat Spaß gemacht, das Abenteuer, bzw. die Flucht zu verfolgen. Doch schon schnell, nach einigen Kapiteln, als Lia und ihre Begleiterin Pauline, Teravin, ihr neues Zuhause, erreichen, erlitt ich die ersten Dämpfer, die es mir etwas schwer gemacht haben, das Buch lesen zu wollen. Ich hatte tatsächlich leichte Durchhänger. Ich würde sogar so weit gehen und sagen: Es kündigte sich eine Leseflaute an.

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Dieses Leben war ein Traum, den ich mir selbst geschaffen hatte, einer, dessen einzige Grenze meine eigene Vorstellungskraft war. Es war ein Leben, über das ich allein entschied. ─ S. 30

Wieso? Ich mag nicht genauer drauf eingehen (wegen Spoiler), allerdings ist es mehr oder weniger ein offenes Geheimnis, und auch von der Autorin so gewollt, dass in diesem Love Triangle, nicht sofort ersichtlich ist, wer von den beiden Jungs, Kaden und Rafe, der Prinz und der Attentäter ist. Im Lesefluss ist es mir erstmal gar nicht aufgefallen, dank der Leserunde dann schon. Denn im Kopf und von den Beschreibungen her, ordnete sich bei mir sofort zu jedem Namen ein Charakter zu. Schlau gemacht von der Autorin: Sie wechselt die Perspektiven. Nicht nur aus der Sicht von Lia erlebt man als Leser die Geschichte, sondern es gibt Kapitelüberschriften mit der Sicht aus Kaden/Rafe und dem Prinzen/Attentäter. Sehr irreführend. Ein interessantes Spiel.

Mit der Gewissheit, dass das aber noch immer offen war (und ziemlich lange so blieb…. ziiiiiemlich lange), wurde ich genervter von diesem „Stilelement“. Ich muss zugeben, ich bin eine von der ungeduldigen Sorte. Aber das war einfach zu lang gezogen. Es fühlte sich für mich nach der knappen Hälfte von Der Kuss der Lüge so an, als hätte die Autorin diesen Spannungsbogen überspannt. Ausgereizt und zwar extrem. Vor allem, da nichts Dramatisches zwischen den dreien passierte. Die Eifersüchteleien kamen mir kaum existent vor bzw. waren sehr lasch dargestellt und bis auf zwei oder drei Szenen war auch wenig Action zwischen Lia und ihrem favorisierten Love Interest.

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Ich verstehe, dass die Autorin da den Leser mit einspannt, emotional auf die Folter spannen möchte und das finde ich im Prinzip auch gut. Aber die erste Hälfte des Buches besteht nahezu nur aus diesem belanglosen Geplänkel zwischen Lia, Kaden und Rafe und für wen ihr Herz schlägt, wer das Rennen macht, wer zuerst sein wahres Gesicht zeigt, etc. All das unglaublich unspektakulär. Und daneben handelt Lia naiv und kopflos und ich hätte sie mehr als einmal dafür schütteln können, wie unvorsichtig sie sich aufführt. Da hätte sie auch direkt mit einer Leuchtreklame über der Birne rumlaufen können, die sie als Prinzessin auszeichnet.

Es gab zwei Möglichkeiten, mit dem Unausweichlichen umzugehen: sich zu dem, was einem das Schicksal bestimmt hatte, an den Haaren schleifen zu lassen – oder aber vorzupreschen. ─ S. 409

Ich mag kaum dran denken, dass ein nicht unerheblicher Teil in der Mitte für Beschreibungen zu einem religiösen, mehrtägigen Fest gehört, was mich, zusätzlich zu Lias Kopflosigkeit, Nerven gekostet hat. Weil einfach mal wieder nichts passierte. Es gab schöne Beschreibungen, zauberhafte Settings, liebevolle Dialoge und mehr nicht. Die Handlung, die Bedrohung seitens eines Attentäters, der in unmittelbarer Nähe um Lia rumschwirrt, oder dass ein Kopfgeld auf Lia ausgesetzt ist, dass zwei verdammte Königreiche nach dem Mädel suchen und sie mit ihrem Tattoo, was sie als Prinzessin auszeichnet, mehr oder weniger hausieren geht – all das spielt so gar keine Rolle, wie es scheint. Ich krieg eine Krise, wenn ich daran denke. In diesem Part des Buches hätte man hier und da kleine Spannungselemente einbauen können, der der guten Lia den Arsch auf Grundeis gehen lassen. Denn nachdem sie sich vom Acker macht, um den Prinzen nicht heiraten zu müssen, lebt sie in aller Friedlichkeit, ohne Angst und Paranoia weiter. Das ist, wie ich finde, sehr lasch.

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Das bedeutet nicht, dass Lia als Charakter, oder das Buch selbst, total versagt hat. Wie ich ja bereits erwähnte, ab der zweiten Hälfte wurde es besser. Wesentlich besser. Ich würde nicht so weit gehen, dass es perfekt war. Aber Lia macht im Laufe der zweiten Hälfte eine enorme Entwicklung durch. Die ihr sehr gut steht. Die macht vieles wett. 

Zwar wirken noch immer alle Figuren auf mich sehr vorhersehbar in ihren Aktionen und verhalten sich erwartungsgemäß, dennoch gibt es unter dem Aspekt auch ein paar Brüche. Da Mary E. Pearson in diesem Buch bewusst mit den Erwartungen spielt und ein Irrspiel per excellence aufgestellt hat, kann ich mir das nur so erklären, dass es einen Sinn und Zweck hat. Vielleicht noch nicht jetzt im ersten Band, aber vielleicht auf lange Sicht gesehen. Es folgen in der deutschen Übersetzung ja noch drei weitere Bücher.

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Es passiert wirklich selten, dass ein Buch erst in der zweiten Hälfte so aufblüht und wirklich eine Entwicklung für den gesamten Plot abzusehen ist UND dass ich dann noch nicht das Buch abgeschrieben habe. Oder besser gesagt, all das Zeug, was in der zweiten Hälfte stattfindet, dieses zähe Plastikkaugummi aus der ersten Hälfte überflüssig macht und meine Meinung zum Buch zurücksetzt. Das ist etwas Großartiges, was mir so noch nicht passiert ist. Oder selten.

Tatsächlich wird es gegen Ende interessant, so interessant, dass es ungemein schade ist, dass man dann nicht direkt weiterlesen kann. Denn so viel sei verraten: Das Ende hat einen Cliffhanger, der mich hibbeln lässt. 


Fazit

Nach einigen Schwierigkeiten und, für mich, unnötigen Längen, hat Mary E. Pearson in der zweiten Hälfte von Der Kuss der Lüge nicht nur mit Spannung, sondern auch an Handlung Vielfalt und Fantasie überzeugt. Zum Schluss wurde ich wieder so von der Geschichte eingenommen, dass sie mich noch überzeugen konnte, die Reihe fortzusetzen und ich bin nun sehr gespannt, wie es im Mai 2017 mit dem Folgetitel „Das Herz des Verräters“ weitergeht.


Infos zum Buch


Weitere Rezensenten:

Schreibtrieb | Zeit zu Lesen | Buchstabenträumerei

 

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11 Gedanken zu „Der Kuss der Lüge ─ Mary E. Pearson

  1. Liebe Rebecca,

    auch ich fand den Twist in der Mitte wichtig, weil die Spannung davor sehr langsam und untergründig aufgebaut wurde. Schön, dass dir das Buch im Ganzen auch gefallen hat.

    1. Hallo Eva,

      ich glaube, ohne den Twist und auch die stärkere Entwicklung von Lia und der Geschichte selbst, wäre das echt schlimm für mich geworden. Die erste Hälfte fand ich wirklich eher schwach.

      Danke für deinen Besuch!

      Liebe Grüße
      Rebecca

  2. BÖÖÖÖÖÖSES BECCA!

    GANZ BÖSE!

    Denn jetzt will ich das Buch haben, um es entweder zu zerreißen, oder es total zu lieben! JETZT SOFORT! NOW! NEED IT!

    Damn you! Schande über dich!

    Du kannst doch nicht so eine gespaltene Meinung haben, die mich so neugierig macht!

    Trotzdem natürlich viele liebe Grüße,
    Anna

    1. Ich glaube ja, dass es dir echt gefallen würde. 😀
      In der Leserunde selbst fanden viele das Buch einfach super. Und das ist ja auch in der Mehrheit so. Aber es gab, mich darunter eingeschlossen, doch ein paar, die die erste Hälfte heftig langweilig fanden.

      Eigentlich musst du es nur lesen, damit ich weiß, was du davon hälst. xD
      Also auf auf!

      Liebste Grüße
      Rebecca

  3. ENDLICH, liebe Rebecca, komme ich dazu Deine Rezension zu lesen. Ich war schon SEHR gespannt, da mit der Auftakt im englischen damals wirklich gut gefallen hat.

    Den Namen „Die Chronik der Verliebten“ finde ich übrigens TOTAL PANNE. Und TOTAL FALSCH und unpassend.

    Im Gegensatz zu Dir hat mir die lange Unsicherheit, wer nun Rafe und wer Kaden ist extrem gut gefallen. Auch die Darstellung vor Ort in der Taverne fand ich durchweg unterhaltsam und die kleinen Reibereien zwischen den Männern (naja Buben) neckisch. Zum Glück gabs wenig Eifersucht, denn des moag i net. Aber dass Lia durchaus kopflos agiert, sehe ich auch so. Ist halt ein Teenager 😉 Herzlichen lachen musste ich bei Deinem Satz „Da hätte sie auch direkt mit einer Leuchtreklame über der Birne rumlaufen können, die sie als Prinzessin auszeichnet.“

    Schade, das Dich das Buch trotz starker zweiter Hälfte nicht so ganz 100% überzeugen konnte. Ich habe es tatsächlich geliebt. War denn die Übersetzung gut? Denn gerade die Sprache von Pearson hat was Eigenes, Verzauberndes.

    Ich wünsche Dir ein entspanntes Wochenende!
    Fühl Dich geknuddelt
    Kati

    1. Liebste Kati!

      Hab ich „Chroniken der Verliebten“ geschrieben? Direkt mal korrigiert. Im deutschen heißt es „Chroniken der Verbliebenen“. Inwieweit das dann immer noch Sinn macht, weiß ich noch nicht. 😀
      Und am Anfang fand ich dieses Hin und Her auch noch sehr interessant und gut gemacht, aber irgendwann… boah, ich konnte das nicht mehr ertragen. x’D
      Und die sogenannten Reibereien zwischen den beiden Kerlen – ich hab die wirklich kaum wahrgenommen. Vielleicht lags dann doch wieder an der Übersetzung. Ich nehme mir ja jetzt schon gefühlt hundert Jahre vor, mehr im Original zu lesen und wenn ich den Spaß an so manch toller Geschichte nur wegen dem Schreibstil in der Übersetzung verliere, ist das natürlich mehr als kacke. 😡 Weil richtig verzaubert hat’s mich nicht.

      Liebste Grüße und dir auch ein erholsames Wochenende! ♥
      Rebecca

  4. Hallo Rebecca,
    ich habe mir jetzt schon einige Rezensionen zu dem Buch durchgelesen und auch schon sehr interessante Gespräche darüber geführt. Mich hat die Geschichte sehr mitgenommen und ich wollte gerne begreifen, warum andere Blogger das so ganz anders sehen als ich.
    Ich glaube ich meine auch zu wissen, warum einigen das Buch so gut gefallen hat und anderen weniger. Bei mir war es so, dass ich Zeit hatte die Geschichte an einem Stück zu lesen. Ich war also „immer drin“ und hatte nicht durch viele Unterbrechungen das Gefühl zu stagnieren. Die ruhige Erzählung sorgt dafür, dass man nur langsam mit der Handlung voranschreitet. So etwas stört mich auch oft. Bei diesem Buch war es aber nicht so. Ich habe tatsächlich nicht diesen Moment gehabt, dass ich dachte „so, jetzt möchtest du lieber etwas anderes machen als lesen“. Ich denke, wenn ich gezwungen gewesen wäre öfters Pausen einzulegen, dann hätte der gemächliche Erzählstil vielleicht auch anders auf mich gewirkt (?)
    Auch war für mich bis zum Ende hin nicht klar, wer Attentäter und wer Prinz ist. Ich glaube, Lesern, die schon früh dieses Versteckspiel durchschaut haben, entgeht ein wesentlicher Teil der Spannung.
    Ich hatte oft Angst um Lia, wenn sie mit einem der beiden Männer alleine war. Andererseits habe ich mir auch erhofft, dass sie mit ihm alleine ist, damit sich die Liebesgeschichte weiterentwickeln kann. Es war also ein Zwiespalt, weil ich nie wusste: Ist das jetzt der „Bösewicht“ oder der „Mann ihres Herzens“ ;o)

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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