Rezension | Flawed Wie perfekt willst du sein | www.goldblatt-blog.de

Flawed | Wie perfekt willst du sein ─ Cecelia Ahern

In einer Welt in der alles und jeder perfekt zu sein hat, ist kein Platz für Fehler. Und für Menschen, die fehlerhaft sind. Fehlerhaft entscheiden. Sie stellen eine Gefahr für die Gesellschaft dar. Selbst die Menschlichkeit ist untergestellt. Aus diesem Grund soll für jeden ersichtlich sein, wenn ihnen jemand fehlerhaftes begegnet. Sie sollen dafür sühnen, sie sollen jederzeit und für immer ein Zeichen tragen, welches sie als Gefahr und Fehlerhaft kennzeichnet.

Meinung

Cecelia Ahern ist ja eher für ihre Liebesromane wie P.S. Ich liebe dich oder Für immer vielleicht bekannt. Umso erstaunlicher waren die Reaktionen auf die Bekanntmachung, dass die Autorin ihren ersten Jugendroman im Bereich Dystopie veröffentlicht.

Und was auch mich mehr als ein wenig überrascht hat, war, dass ihr diese Premiere sehr gut gelungen ist.

Mit Flawed – Wie perfekt willst du sein hat Cecelia Ahern eine Dilogie geschaffen, die mit Intensität, Atmosphäre und entwicklungsstarken Charakteren überzeugt. Ich habe einige ihrer anderen Romane gelesen und was direkt auffällt, ist, dass sich die Autorin perfekt in diese Geschichte eingelebt hat. Der Schreibstil, die Dialoge passen zur Zielgruppe, und ist wesentlich auf die Geschichte und ihr Setting ausgelegt. Wer also die Befürchtung hatte, dass ein stereotyper Schreibstil der Autorin in diesem Buch angewendet wird, kann sich entspannt zurücklehnen. Wer weiß, vielleicht lag es an den Lektoren, vielleicht lag es aber auch nur an dem geübten schriftstellerischen Erfahrungsschatz der Autorin, dass in Flawed die richtige Sprache, der richtige Ton, getroffen wird.

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In Flawed – Wie perfekt willst du sein, dem Auftakt dieses Zweiteilers, erwartet den Leser eine spannende Geschichte, die sich zwar einiger altbekannter Elemente der Dystopie bedient, aber irgendwann entwickelt die Autorin ihren eigenen Drive, ihre ganz eine Welt, dass mein Vergleich mit Delirium von Lauren Oliver immer mehr in den Hintergrund wich. Denn eben an diesen Roman musste ich auf den ersten wenigen Seiten denken.

Ich betrachte die Farben und schaue auf die Dunkelheit, ich sehe die Zuversicht und die Verzweiflung, und ich weiß nicht, auf welche Seite ich gehöre. ─ S. 277

Je mehr ich mich in die Geschichte einlas, in eben diese auch abtauchte – denn das Buch ist ein Pageturner per excellence! – bekam ich ein Bild davon wie diese Perfekte Gesellschaft aufgebaut ist. Wie fehlerhaft jene auch ist. Denn dieses System mit der Gilde, die wie die Stasi überall ihre Augen und Ohren hat, um ja den kleinsten Fehltritt direkt zu ahnden, ist so wackelig, wie willkürlich. Von dem Ausmaß der Grausamkeit ganz zu schweigen.

Richtig gut gelungen ist es der Autorin, dass man als Leser nicht nur innerhalb der Geschichte Fragen aufkommen sieht, sondern das Buch mit seiner Botschaft auch nachhaltig beschäftigt.

Was ist Perfektion? Ist eine perfekte Gesellschaft, die keinerlei Fehltritte erlaubt tatsächlich perfekt? Wo ist die Menschlichkeit? Was passiert, wenn diese außer Acht gelassen wird? Wo fängt Machtmissbrauch an? Wo die Korruption?

Cecelia Ahern nimmt Teile der heutigen Gesellschaft unter dem Deckmantel dieses Buches aufs Korn. Wenn ich mir vor Augen halte, dass dieses Buch auf eine junge Zielgruppe ausgelegt ist, finde ich das schon sehr gut, was den Subtext angeht.

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An der Spitze dieses mehr als fragwürdigen Systems steht ausgerechnet der Vater von Celestines Freund. Was ein merkwürdiger und zugleich hochspannender Aspekt.

Und damit sind wir auch schon bei den Charakteren und Beziehungen dieses Romans.

Allen voran steht natürlich Celestine, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird. Celestine ist stark, klug und sagt von sich selbst, dass sie stets logischen Schlussfolgerungen folgt. Tatsächlich hatte ich schnell den Eindruck, dass Celestine so ein bisschen der Stock im Arsch sitzt, sie ein bisschen zu sehr diesem „Alles ist schwarz oder weiß“-Grundsatz folgt. Sie war mir etwas schwer zugänglich und ein wenig undurchsichtig. Leider hat sich das nie wirklich in Wohlgefallen oder Luft aufgelöst. Selbst als durch sie der Stein ins Rollen kommt, und ihre Handlung, die sie auf Logik fußt, eine mittelschwere bis starke Staatskrise auslöst.

Ich finde Celestine nach wie vor als Charakter sehr schwierig. Und auch später im Verlauf der Geschichte bekam ich den Eindruck, dass sie trotz ihrer Intelligenz, die ihr immer wieder von anderen Mitmenschen bestätigt wird, oft eine lange Leitung hat. Nachhilfe beim Denken und Erschließen von Möglichkeiten braucht. An der Stelle wäre wohl der Ausdruck naiv und blauäugig ganz treffend.

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Aber es ist nicht alles verloren bei Celestine. Es gibt durchaus Momente und Szenen mit ihr, die den Leser unglaublich nah an ihr ursprünglichstes Wesen herantragen. Die den Leser empathisch und intensiv mit ihrer Person verbindet. Dabei beweist sie wiederum, dass sie einen großen, sehr menschlichen und empathischen Kern hat; der weniger logisch, sondern vielmehr emotional ist. Und dass auch trotzige und irrationale Seiten in ihr existieren. Eben all das kommt nicht einfach über Nacht. Einige Eigenschaften und neue Mentalitäten entwickelt sie erst über die 480 Seiten des Buches hinweg.

Ich habe gelernt, dass mutig zu sein bedeutet, in jedem Augenblick die Angst in sich zu spüren. Der Mut übernimmt nicht einfach die Führung, er gewinnt nicht einfach die Oberhand, er muss sich bei jedem Wort und jedem Schritt von neuem durchkämpfen, es ist ein ständiger Kampf, oder eine Art Tanz. Man braucht Mut, um etwas zu meistern, aber man braucht sehr viel Angst, um mutig zu sein. ─ S. 159

Und auch die anderen Figuren im Buch lernen vieles über sich selbst. Entdecken neue und andere Seiten ihrer Persönlichkeiten. Das Paradebeispiel ist Celestines Mutter. Am Anfang von Flawed ist sie sichtlich eingeschüchtert vom System, der Gilde und achtet penibel darauf, den Ansprüchen und Regeln, dieser Welt zu genügen. Nachdem aber ihre Tochter ein besonderes Beispiel an Fehlerhaftigkeit darstellt, entwickelt sich die Mutter auf überraschende Art und Weise.

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Aber nicht nur die Mutter verändert sich. Richter Crevan, der trotz seiner Autorität im hellen Licht glänzt, verliert nach und nach seine Maske und darunter kommt wirklich böses hervor. Dann ist da noch Celestines Schwester Juniper, der eine Rolle, die letztendlich Celestine einnimmt, anfangs eher zuzutrauen wäre.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass jegliche Personen zu Beginn der Geschichte einen Stereotyp bedienen. Allerdings hat Cecelia Ahern da ordentlich dran gewerkelt, und die Ergebnisse haben hier und da ein „Oha“ aus mir herausbekommen. Die Autorin wartet an allen Ecken mit Überraschungen auf den Leser, die er so nicht immer kommen sieht.

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Das wiederum macht das Buch zu dem was es ist. Ultraspannend, wendungsreich und unterhaltend.

Einen kleinen Kritikpunkt zu der Geschichte selbst habe ich aber noch parat. Und das ist das Ende bzw. der Cliffhanger, mit dem das Buch endet. Die letzten Seiten und Szenen dorthin fand ich sehr schnell, ja, fast schon etwas übereilt erzählt.


Fazit

Wer mit einer außergewöhnlich intensiven und spannenden Geschichte einige Lesestunden erleben möchte, dazu auf Dystopien und philosophisch bis gesellschaftskritische Untertöne steht, der sollte unbedingt zu Flawed – Wie perfekt willst du sein greifen. Ich habe das Buch sehr genossen und werde auf jeden Fall den zweiten Teil lesen.


Dieses Buch wurde mir im Rahmen einer Leserunde von Lovelybooks  und dem Verlag zur Verfügung gestellt.


Perfektionist oder Chaot – was bist du?

 

Weitere Rezensenten:

Miss Foxy Reads | Zeilenzauber | Worttänzer

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2 Gedanken zu “Flawed | Wie perfekt willst du sein ─ Cecelia Ahern

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