Kleine große Schritte | Rezension | www.goldblatt-blog.de

Kleine große Schritte. Jodi Picoult.

Literatur die Diversität verspricht, anspricht und darstellt, wird immer wichtiger. Ob eine weiße Autorin die Erlebnisse und Sicht einer PoC (Person of Color) authentisch und realistisch genug wiedergeben kann, mag jeder für sich selbst beurteilen. Trotzdem hat dieses Buch für mich einiges bewegt, weswegen man diesem Buch definitiv eine Chance geben sollte.

Bevor ich das Buch letztendlich gelesen habe, habe ich schon einige erste Stimmen und Eindrücke anderer Blogger wahrgenommen. Viele schwärmen auch generell von Jodi Picoult als Autorin. Ich selbst habe vor „Kleine große Schritte“ nichts von ihr gelesen. Man kann sich natürlich vorstellen, ich war enorm neugierig. Auf das Buch selbst, weil der Klappentext enorm vielversprechend klang, bis hin zu dem Schreibstil, der Art wie die Autorin die Geschichte umsetzt und erzählt.

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„Kleine, große Schritte“ von Jodi Picoult hat mich tatsächlich überrascht. Kalt? Nicht wirklich. Ich hatte zu Beginn leichte Startschwierigkeiten mit Ruth, der Protagonistin, der PoC. Sie erschien mir zwar herzlich, andererseits auch störrisch und kühl. Das macht wenig Sinn. Richtig. Deswegen brauchte ich so meine Zeit mit Ruth warm zu werden. Doch je weiter ich in der Geschichte voranschritt, mehr in die Persönlichkeit und Vergangenheit von Ruth abdriftetete, desto eher verstand ich Ruths Reaktionen, ihr Verhalten und ja, auch ihre immer wiederkehrende Empörung und Unnachtgiebigkeit in gewissen Situationen und Dialogen. Schnell entwickelte sich die Geschichte für mich zu einem Pageturner, der mich bis heute beeindruckt und auch in meinem Denken, meinem Verhalten veränderte. 

Der Roman „Kleine große Schritte“ hat mir wohl einen Schleier von den Augen genommen. Den Horizont erweitert, den Blick für alltäglichen Rassismus geschärft. Jodi Picoult hat mit diesem Buch und seinen drei Erzählperspektiven ein vielseitiges Abbild der Gesellschaft, in ihren Klassen, aber auch in Ethnikunterscheidung gezeichnet. Sie schildert den Rassismus ausübend, wahrnehmend und betreffend. Doch neben dem Fokus Rassismus erhält man einen interessanten Einblick in die Arbeit einer leidenschaftlichen Krankenschwester, die Neugeborenenpädiatrie und auch Richtung plötzlicher Kindstod. Eine spannende Konstellation, die ich bisher so eindringlich und vielseitig in einem Buch nicht wahrgenommen habe. Dieses ineinander verwobene Netz dieser unterschiedlichen Perspektiven und Wahrnehmungen hat mich nachhaltig beschäftigt.

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Die Geschichte selbst hat sich unglaublich spannend entwickelt. Man wird mitgerissen, überrascht und auch am Schluss, im Nachwort der Autorin über ihre Beweggründe und Recherchearbeit hinter diesem Buch aufgeklärt. Das Ende war vielleicht dann doch etwas schnell und sehr Happy End-like erzählt, aber vielleicht schafft das auch Hoffnung? Man kann da nur mutmaßen.

Ich gehe in meiner Besprechung wenig auf die problematische deutsche Übersetzung ein, da es andere Blogger gibt, die das bereits viel besser getan haben (z. B. The Written Word) und ich persönlich – man möge mir das einfach verzeihen – nicht im Lesefluss groß darauf achte. Natürlich ist dieses Buch ein Weg dorthin, um mich in diese Richtung zu sensibilisieren und das ist das Wunderbare hieran. Ich dachte vor dem Lesen des Buches, dass ich schon sensibel auf Rassismus achte. In den letzten Jahren, seitdem ich über Bücher blogge, hat sich da enorm was getan. Doch anhand mancher Dialoge und Beispiele aus dem Buch musste ich eben auch erkennen, dass ich noch auf einem langen Weg bin. Ich denke, so geht es vielen, die dieses Buch lesen und gelesen haben.

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Wer sollte das Buch lesen?

Ich empfehle das Buch jedem. Jeder der sich ansatzweise für das Thema Rassismus interessiert und sich selbst auch in seiner Rolle als „Weißer“ hinterfragen mag, sollte das Buch lesen. Es verändert. Es regt zum Dialog an und das ist das Wichtigste hieran. Das Buch hat eine Botschaft und ist nicht irgendeine aus dem Leben gegriffene Situation.


Highlights

  • wirkt lange nach
  • Perspektivwechsel runden die Geschichte ab, machen sie abwechslungsreich und schaffen Tiefe
  • Pageturner

 

Kritik

  • das Ende war etwas schnell auserzählt
  • an manchen Stellen klischeehaft

Fazit

Großartiges Buch mit einer spannenden Geschichte, die mitreißt, die einen nicht so schnell loslässt und nachhaltig verändern kann.


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Infos zum Buch

Titel: Kleine große Schritte
Autor: Jodi Picoult
Übersetzer: Elfriede Peschel
Verlag: C. Bertelsmann

Format: gebunden
Seiten: 592
ISBN: 978-3-5701-0237-4
Preis: 20,00 € [D], 20,60 € [A], 27,90 [CHF]
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Ruth Jefferson ist eine äußerst erfahrene Säuglingsschwester. Doch als sie ein Neugeborenes versorgen will, wird ihr das von der Klinikleitung untersagt. Die Eltern wollen nicht, dass eine Afroamerikanerin ihren Sohn berührt. Als sie eines Tages allein auf der Station ist und das Kind eine schwere Krise erleidet, gerät Ruth in ein moralisches Dilemma: Darf sie sich der Anweisung widersetzen und dem Jungen helfen? Als sie sich dazu entschließt, ihrem Gewissen zu folgen, kommt jede Hilfe zu spät. Und Ruth wird angeklagt, schuld an seinem Tod zu sein. Es folgt ein nervenaufreibendes Verfahren, das vor allem eines offenbart: den unterschwelligen, alltäglichen Rassismus, der in unserer ach so aufgeklärten westlichen Welt noch lange nicht überwunden ist …

 

 


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