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Liebes Jahr 2016, … | Ein Brief

Liebes Jahr 2016,

lass uns etwas zurückgehen. Zum 1. Januar, um genau zu sein. Erinnerst du dich? Du warst sozusagen gerade geboren und warst schillernd, vielversprechend und hast jedem die Möglichkeit für so viele neue Erinnerungen gegeben. Du lagst uns allen wie ein dicker, saftiger Truthahn an Thanksgiving vor den Füßen und wir alle haben so unsere Wünsche, Träume und Hoffnungen in deine Hände gelegt.

Jetzt, heute, wo du praktisch in den letzten Atemzügen steckst und jeder von uns nochmal für ein paar Augenblicke zurück aufs Jahr, dein Jahr!, schaut… Da muss ich dir leider mitteilen, dass nicht alle zufrieden sind. Ich muss dir leider sagen, dein Ruf ist ein ziemlich beschissener. Du bist von einem Fettnäpfchen ins Nächste getrampelt und leider hast du dieses Jahr so viele Vögel abgeschossen, dass wir auf deren Kadavern latschen müssen. Und Sweety, das ist nicht schön. Manches davon bleibt an unseren Sohlen hängen, wir müssen das mit ins nächste Jahr, deinen kleinen Bruder, 2017, mitnehmen. Und Himmel! Wir alle hoffen, dass du nicht erst der Anfang warst.

Okay, du hattest auch keinen leichten Start. Schon in den ersten Stunden sind ein paar Sachen passiert, die vielleicht so nicht geplant waren, aber doch recht stark eskaliert sind. Ich sag nur „Köln“.


Vielleicht fragst du dich, warum man dir so viel ankreidet. 2015 hatte schließlich auch Dreck am Stecken. Es gab Tote, Rassismus, Gewalt, es gab Terrorismus. Richtig. Das stimmt, 2016. Allerdings ist in deiner Amtsperiode viel Geschichte passiert. Sieh dir dieses Brexit-Ding an. Niemand hätte es für möglich gehalten, dass das passiert. Doch es ist passiert. Dann gab es Wahnsinn an jeder Ecke. Gestalten, die in ihrer anderen Weltanschauung mit Äxten durch S-Bahnen laufen, mit Waffen durch Kaufhäuser wüten und Leben nehmen, Clowns die Menschen zutode erschrecken möchten, Rassismus an allen Ecken, der sich unerträglich positioniert in diesen Stunden und politisch unerfahrene Menschen, die für das US-Präsidentschaftsamt kandidieren. Und gewinnen. Du warst wahnwitzig. Unvorstellbar. Du hast Personen des öffentlichen Lebens, manch einer davon lebende Legenden, den Atem geraubt. Wortwörtlich. Du hast in der besinnlichsten Zeit Angehörigen ihre Lieben genommen. 2016 – du warst gnadenlos. Du hast Angst, Wut und Hass geschürt.

Manchmal, wenn ich mir erlaube an das kommende Jahr zu denken, habe ich tatsächlich ansatzweise „Angst“. Angst vor der Angst anderer. Angst davor, dass diese Angst Menschen blind macht. Angst, dass dieses Grauen kein Ende nimmt. Angst, dass Dinge geschehen, die wir Menschen uns antun, die nicht ungeschehen gemacht werden können.

Ich weiß, wir sind grausam. Wir sind naive, dumme Funken eines Moments. Da hast du nun wirklich keine Schuld dran. Vielleicht bist du nur der Buhmann.


Aber ich kann und mag nicht nur das Schlechte an dir sehen. Nicht für jeden war dieses Jahr unfassbar scheiße. Manche Menschen waren erfolgreich. Haben sich verliebt. Haben ihre Babys bekommen, oder tragen sie in diesem Moment unterm Herzen. Ich mag sogar daran glauben, dass deine Wucht, deine unbändige Gnadenlosigkeit, für eine Sache gut war. Dass wir lernen. Dass wir aufwachen. Ich mag daran glauben, dass dies dein Weckruf an uns war. In so vielen Sachen. Und lass uns nicht vergessen, du warst ein weiteres Jahr in meinem Leben. Ich sollte dankbar für jedes sein. Also trotz all dem Getöse: Danke. Danke für ungemein viele Erinnerungen. Neue Erinnerungen. Abschlüsse. Neustarts. Ich habe wieder sehr viel gelernt.


Liebes 2016, deine Fußstapfen sind groß. Ich weiß nicht, ob 2017 da rein passt. Ich weiß nicht, ob die Fußstapfen zu groß sind. Aber du weißt selbst, mit jedem neuen Anfang, wird eine neue Geschichte geschrieben. Ich hoffe, sie ähnelt deiner nicht so sehr. Nimm’s mir nicht übel. Ich wünsche mir für deinen Nachfolger, dass mehr Liebe, mehr Positivität, Toleranz, Offenheit und Gemeinschaftlichkeit, egal wo und wann, am Ende übrig bleibt. Das all das im kommenden Jahr überwiegt. Und sei es nur um ein Zehntel mehr.

Du weißt, du wirst unvergessen sein.

Ich kann dir weder „Auf Wiedersehen“, „Lebe wohl“ oder „Mach’s gut“ wünschen.

Dir bleibt nur das Ende.

 

Tschüss, 2016.

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25 Gedanken zu “Liebes Jahr 2016, … | Ein Brief

  1. Wundervoll auf den Punkt gebracht! Danke für diese Zeilen! Obwohl ich für die kommenden Jahre das Schlimmste fürchte, kann ich doch nicht aufhören, das Beste zu hoffen und daran zu glauben, dass in den meisten Menschen über kurz oder lang doch das Gute die Oberhand gewinnt.

    Ich wünsche dir und deinen Lieben daher einen guten Start in ein hoffentlich nicht allzu schlechtes 2017!

    1. Auf den Punkt gebracht, Kathrin!
      Genauso empfinde ich. Ich mag an das Gute glauben. Was wäre das für eine Welt, wenn wir es nicht mehr täten?

      Dir und deinen Lieben auch ein frohes neues Jahr mit Gesundheit, Liebe und Frieden!

      Liebste Grüße
      Rebecca

  2. Huhu meine liebe Rebecca!
    Was kann ich anderes sagen als: diesen Brief hast du wundervoll geschrieben!! <3
    Ein wirklich schöner Brief an 2016

    Komm fein ins neue Jahr!
    Mehr will ich gar nicht schreiben, denn deine wunderbaren Worte stehen für sich allein gut wie sie sind *-*
    Janna

    1. Hallo Janna,

      danke für dein Lob! Freut mich sehr. 😀
      Dafür, dass es echt nur etwas kleines ist, ist das wohl doch ganz gut angekommen. 🙂

      Dir ein frohes neues Jahr!

      Liebste Grüße
      Rebecca

  3. Das war so schön geschrieben! Und so wahr.
    Persönlich habe ich mir schon Ende Februar gewünscht, das Jahr möge zu Ende sein. Ab April ging es zwar bei mir persönlich etwas besser – natürlich durften die 2016-typischen bodenlosen Tiefs weiterhin nicht fehlen -, aber dafür ging es mit der Welt stetig bergab. Angst ist das richtig Wort und die Hoffnung, dass dies nicht erst der Anfang allen Übels gewesen ist. Dass sich der kleine Bruder, wie du ihn nennst, nicht allzuviel von seiner großen Schwester abgeschaut hat und es besser machen wird.
    Ich habe mich noch nie so sehr nach einem Neustart gesehnt wie jetzt. Das habe ich erst gestern wieder gemerkt. Normalerweise mag ich meine Weihnachtsdeko gar nicht wegräumen, aber dieses Jahr wird sie keinen Tag länger als bis zu den Heiligen drei Königen bleiben, denn sie ist auch Teil von 2016 und auch sonst bin ich in meiner Wohnung rum und habe überlegt, wie ich Kleinigkeiten verändern kann ohne Möbel zu schieben – die meisten sind ja eh fest an den Wänden verankert…

    Ich wünsche uns allen für 2017 viel Gesundheit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und Hoffnung. Ganz viel Liebe und Zuversicht.

    Liebe Grüße,
    Sandra

    1. Hallo Sandra,

      ich hoffe, 2017 wird um so vieles besser für dich!
      Und genauso hoffe ich, dass sich dieses Jahr wieder vieles zum Besseren wendet. Für alle. Für die Welt. Ich kann nur meinen kleinen täglichen Beitrag dazu leisten, so unwichtig der auch scheinen mag, aufrichtig und tolerant zu sein.
      Irgendwo und irgendwer muss ja den Anfang machen.

      Danke – für deine Worte und deinen Besuch! Deine Worte haben mich sehr berührt.

      Herzliche Grüße
      Rebecca

  4. Hallo Rebecca,

    ein wirklich treffender Brief, den du ganz wundervoll geschrieben hast!

    Ich freue mich auf jeden Fall auf das neue Jahr, und wer weiß, vielleicht kann uns der kleine Bruder von 2016 ja überraschen! Auf geht’s mit großen Schritten in’s Jahr 2017.

    Liebe Grüße
    Bella

    1. Hallo Bella,

      erstmal: Frohes neues Jahr!

      Ich glaube, wenn wir mit einer positiven Einstellung das Jahr begrüßen und anfangen, zieht es sich auch mit in die kommenden Monate. Das funktioniert vielleicht nicht immer.
      Wir wissen ja nicht, was uns erwartet. Aber ich mag dran glauben.

      Liebste Grüße
      Rebecca

  5. Hi Rebecca,
    ein genau zutreffender Jahresrückblick, hast Du super geschrieben!
    Eigentlich kann das Neue Jahr nur noch besser werden, in der Hoffnung darauf
    wünsche ich Dir ebenfalls eine guten Rutsch und alles Gute für 2017!
    Liebe Grüsse. Olaf

    1. Hallo Olaf,

      Danke für dein Feedback und danke, gleichfalls.
      Aber es scheint, du bist sicher und gut ins neue Jahr gekommen. 😀

      Liebste Grüße
      Rebecca

    1. Hallo Janina,

      danke für das Feedback.
      Ich denke, das ist die richtige Einstellung, um nicht in totale Depressionen zu verfallen, was diese Welt angeht.
      Umso wichtiger, dass wir ein Gefühl dafür entwickeln, selbst die kleinsten Momente und Dinge wertzuschätzen.

      Lieben Dank für deinen Besuch und liebe Grüße
      Rebecca

  6. Danke für diese wundervollen Worte, liebste Becca. <3
    Ja, das vergangene Jahr war nicht immer schön und weitaus öfter als ich mir zugestehen will hat sich die Angst vor der Zukunft gemeldet. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, glaube weiterhin fest an das Gute und an die Menschlichkeit und hoffe, das wir gemeinsam den Teufel wieder zurück in seine Hölle drängen.

    Frohes neues Jahr, liebste Becca. Auf das es grandios wird!
    Maike

    1. Hallo Maike,

      gefühlt 100 Jahre später antworte ich dann hier mal auf dein Kommentar. Ich war schon mal zeitiger dran, nöch? Au mann… Sorry dafür!

      Ich musste gerade nochmal selbst meinen Beitrag lesen und vielleicht sollte ich das in unregelmäßigen Abständen im Laufe des Jahres immer mal wieder tun. Einfach um nochmal Motivation zu bekommen, dass dieses Jahr besser gemacht werden kann. Wenn ich es denn wirklich will und den Arsch hochkriege.

      Also danke für deine Worte, die ungemein wohltuend sind. Selbst jetzt noch. 🙂

      Liebste Grüße
      Rebecca

  7. Liebe Rebecca,

    ich habe Deinen wunderschönen, offenen Brief an das vergangene Jahr bereits vor ein paar Tagen gelesen. Konnte aber nicht sofort was dazu sagen, sondern musste das Ganze erstmal wirken lassen. Du hast wunderbar in Worte gefasst, was sicherlich vielen Menschen durch den Kopf gegangen ist. In meinem Rückblick habe ich das alles ganz bewusst ausgelassen, weil es sonst ausgeartet wäre. Deshalb bin ich froh, dass Du diesen Artikel geschrieben und die richtigen Worte gefunden hast.

    Vielen Dank dafür und etwas verspätet ein wundervolles, gesundes und glückliches neues Jahr für Dich,
    liebe Grüße,
    Jess

    1. Hallo Jess,

      kein Problem. Ich hab ja jetzt auch ewig gebraucht, um auf die Kommentare zu antworten. Manchmal braucht man etwas Zeit. Ist also halb so wild.

      Ich danke dir aber für deine lieben Worte. Sowas bedeutet mir wirklich viel. 🙂

      Ich wünsche dir auch ein großartiges neues Jahr! 😀

      Liebe Grüße
      Rebecca

  8. Hach,
    was für ein wunderbarer Beitrag. Wirklich wirklich toll hast du das gemacht. 2016 ist für mich irgendwie so verschwommen. Ich weiß gar nicht mehr, was alles war und was nicht, was ich wann gemacht habe und wann passiert ist. Alles fokussiert sich bei mir auf die zweite Hälfte des Jahres und alles was ich dort erlebt habe. Irgendwie komisch.
    Ich danke dir für diesen tollen Brief an dieses merkwürdige Jahr.
    Ein wirklich guter Abschluss.

    Liebst, Lotta

    1. Hallo Lotta,

      ich bin so kommentarfaul gerade. Deswegen erstmal ein dickes Sorry, dass ich erst jetzt antworte!

      Was soll ich sagen? Danke ist wohl das richtige Wort. 🙂

      Das was du angemerkt hast, dass 2016 mehr oder weniger alles verschwommen war, war auch bei mir der Fall. Also privat. Deswegen war es weniger ein Jahresrückblick für mein Jahr 2016, sondern ein eher allgemein gehaltetener. Der ließ sich nicht nur leichter und schneller schreiben, sondern da hatte ich viele Sachen sogar noch einigermaßen chronologisch im Kopf. Yay! 😀

      Liebe Grüße
      Rebecca

  9. Hey Rebecca,

    das ist wirklich ein unfassbar guter Text, den du da geschrieben hast! Ich finde es richtig gelungen, auch so rein auf sprachlicher und metaphorischer Ebene. 2016 war leider wirklich nicht das Gelbe vom Ei und wir können nur hoffen, dass der kleine Bruder sich besser machen wird 🙂 Aber Positivität ist schließlich auch gewissermaßen eine Tugend, oder? 🙂

    Danke für diese tollen Worte!
    Liebst, Mareike

    1. Hallo Mareike,

      danke für das Feedback! Sowas geht runter wie Öl!
      Und Recht hast du! Bisher hält sich 2017 noch zurück. Find ich gut. Ich will es auch gar nicht zu laut sagen und keine schlafenden Hunde wecken. 😀

      Liebe Grüße
      Rebecca

  10. wirklich schön, dein text. ich mag den optimistischen ansatz sehr gern. wir leben leider in einer zeit, in der das negative sehr zelebriert wird, weil sich damit gutes geld machen lasst. das färbt auf die gemüter ab und beeinflusst denken, meinen, glauben, handeln. wir alle sollten versuchen, die positiven seiten zu sehen und unsererseits damit die menschen zu „infizieren“, als gegengift zum medialen horrorjournalismus.

    1. Sehr schöne Message. Ich bin auch, zugegeben, ein kleiner Pessimist. Versuche aber trotzdem noch in dem kleinsten Funken was Gutes zu entdecken. Nicht immer leicht. Aber ich denke, wenn man es versucht, und vielleicht einigermaßen noch auf dem Blog transportieren kann, ist schon ein kleiner Step in die richtige Richtung getan!

      Liebe Grüße und schönes Wochenende!
      Rebecca

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