Rezension | Origin | Dan Brown | www.goldblatt-blog.de
Rezensionsexemplar  

Origin. Dan Brown.

Nach rund 4 Jahren hat Dan Brown wieder ein Buch veröffentlicht. Natürlich gehen da Verlage und Leser steil wie ein Pflitzebogen. Nach den Erfolgen von Sakrileg, Illuminati & Co. ist der Autor irgendwie in einer Bringschuld. Besonders, wenn die Buchtitel mittlerweile Hollywood-Verfilmungen mit Star-Besetzungen à la Tom Hanks hervorgebracht haben. 


Ich wünschte ja, ich hätte von der Leber weg ein bisschen mehr zu dem Buch zu sagen. Allerdings ist das nicht der Fall. Vielmehr ist da eine gewisse Leere, wenn ich das Buch im groben und ganzen im Kopf Revue passieren lasse. Was ist tatsächlich im Kopf geblieben? Denn zugegeben, von den „Dan Brown“-Büchern war ich immer sehr begeistert. Ganz vorne mit dabei sind eben einfach Sakrileg und Illuminati, die mich in der Spannung der Story und in der Entwicklung von Robert Langdon unglaublich gefesselt haben. Mit „Das verlorene Symbol“ wurde Dan Brown schon ein weites Stück moderner und gefühlt gesellschaftskritischer. Und auch bei Origin habe ich das Gefühl, dass der Autor sich seiner Reichweite mittlerweile sehr bewusst ist und auch etwas bewegen mag?

Auf jeden Fall ist mir der eine oder andere gesellschaftskritische Ton bezüglich Religion oder der Entwicklung der Menschen in Zusammenhang mit künstlichen Intelligenzen nicht entgangen. Persönlich finde ich solche Gedankengänge sehr interessant und gerade deswegen sollte mich Origin augenscheinlich sehr unterhalten haben. Oder nicht?

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Unterhalten hat es mich. Das ist richtig. Aber nur solange es eben darum ging, das Geheimnis, welches Robert Langdon in der diesmaligen Kombo mit Ambra Vidal, der Verlobten des spanischen Kronprinzen, zu ergründen.

Es mag daran liegen, dass Dan Brown sich gerne den alten (bisher erfolgreichen) Mustern bedient, haben sie schließlich in der Vergangenheit funktioniert und unzählige Menschen dazu bewegt all seine Bücher zu lesen, doch „Origin“ hat mich nicht wirklich gepackt. Damit meine ich in Bezug auf eine gewisse Anspannung, ein Mitfiebern und eine unbändige Neugier auf des Rätsels Lösung. Das Rätsel selbst hat Dan Brown wieder wunderbar in die Geschichte eingestreut und auch präsent gehalten, durch eine emotionale Geschichte, um den Entdecker der spektakulären Neuigkeiten. Doch das reicht nicht aus, um von der Blässe der Charaktere abzulenken.

Die persönliche Bindung zu Robert Langdon hat, für mich, bisher noch nie so geschwächelt. Klar, man kennt Robert, wenn man die vorherigen Bände um ihn gelesen hat. Trotzdem hat man als Leser immer noch ein wenig mehr zu dieser Person bekommen. Diesmal hatte ich den Eindruck, dass Robert Langdon langsam – entschuldigt bitte – lächerlich wird. Die Art, wie er Fälle angeht und wie das drumrum aufgebaut wird, lutscht sich aus. Wenn man sich das Muster ansieht, dass er in seinem Leben so oft in brenzlige Situationen gerät (wohlgemerkt als Professor einer Universität, nicht als Undercover-Ermittler der Mafia oder CIA) und immer einen weiblichen „Side-Kick“ abbestellt bekommt, die ihm stets irgendwie verfällt, frage ich mich, wie das noch sein kann. Ob dem Autor da die Ideen ausgehen, er bequem wird oder auf Nummer sicher gehen mag? Alle drei Punkte wären mehr als tragisch.

Die Reihe um Robert Langdon wird vorhersehbar. Das mag man als Gelegenheitsleser ganz gerne lesen, weil es vertraute Muster sind, die einen als Leser in ein weiches, gemachtes Bett setzen. Anspruch, gar Originalität und eine dringend nötige Weiterentwicklung der Figur Robert Langdon, inklusive einem Makeover vom Handlungsverlauf, sind hier fehlende Puzzlestücke, die das Bild und die Wirkung von „Origin“ für mich verzerren und das Buch zu einem 08 15-Roman machen. Einen Thriller mag ich das Buch gar nicht nennen, denn erst gegen Ende kommt eine prickelnde Würze hinein, die ich mir schon viel eher gewünscht hätte.

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Wer sollte das Buch lesen?

Ganz klar die Dan Brown, bzw. Robert Langdon-Fans. Allerdings finde ich den Hintergrund der Story auch sehr interessant beschrieben, weswegen eventuell auch Science Fiction-Leser hier auf ihre Kosten kommen könnten. In „Origin“ ist u. a. eine künstliche Intelligenz namens Winston im Storyverlauf sehr präsent. Fast präsenter als Robert Langdon (was wie bereits angedeutet, sehr schade ist).


Highlights

  • flüssiger Schreibstil, liest sich sehr gut weg
  • interessantes Thema
  • wie immer gut recherchiert

Kritikpunkte

  • Storyverlauf vorhersehbar
  • keine Originalität, keine Weiterentwicklung der Figur Robert Langdon
  • es kommt keine richtige, dauerhafte Spannung auf
  • der „Bösewicht“ war nichtssagend und kein wirklicher Gegner

Ähnliche Bücher

Ich hätte an dieser Stelle gerne ein Buch empfohlen, welches ich tatsächlich schon gelesen habe. Wenn ich aber den Handlungsverlauf und die Art, wie Dan Brown recherchiert und schreibt berücksichtige, fällt mir leider nichts Vergleichbares ein. Allerdings wollte ich nicht so einfach aufgeben und habe in „Das Erwachen“ von Andreas Brandhorst ein Buch gefunden, welches eine ähnliche Thematik aufgreift und dazu doch recht positive Bewertungen bietet.


Fazit

Ich hatte mir mehr erhofft – na gut, was heißt mehr? Ich hatte wenigstens auf genauso viel Spaß, Spannung und Action gehofft, wie in den Büchern, um Robert Langdon, davor. Das blieb hier nahezu aus. Das Buch bietet einige wenige Spannungsspitzen, die aber so schnell kommen, wie sie auch gehen. Dan Brown vermisst es, meiner Meinung nach, immer mal wieder eine Schippe draufzuschlagen und mich damit von den Socken zu hauen. Daher ist „Origin“ ein Buch was „nur“ ein gewisses Mittelmaß erreicht.


Infos zum Buch

Titel: Origin
Autor: Dan Brown
Übersetzer: Axel Merz
Verlag: Bastei Lübbe

Format: gebunden
Seiten: 668
ISBN: 978-3-4310-3999-3
Preis: 28,00 € [D], 28,00 € [A], 39,90 [CHF]
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Die Wege zur Erlösung sind zahlreich. Verzeihen ist nicht der einzige. Als der Milliardär und Zukunftsforscher Edmond Kirsch drei der bedeutendsten Religionsvertreter der Welt um ein Treffen bittet, sind die Kirchenmänner zunächst skeptisch. Was will ihnen der bekennende Atheist mitteilen? Was verbirgt sich hinter seiner „bahnbrechenden Entdeckung“, das Relevanz für Millionen Gläubige auf diesem Planeten haben könnte? Nachdem die Geistlichen Kirschs Präsentation gesehen haben, verwandelt sich ihre Skepsis in blankes Entsetzen. Die Furcht vor Kirschs Entdeckung ist begründet. Und sie ruft Gegner auf den Plan, denen jedes Mittel recht ist, ihre Bekanntmachung zu verhindern. Doch es gibt jemanden, der unter Einsatz des eigenen Lebens bereit ist, das Geheimnis zu lüften und der Welt die Augen zu öffnen: Robert Langdon, Symbolforscher aus Harvard, Lehrer Edmond Kirschs und stets im Zentrum der größten Verschwörungen.

 

 


Weitere Rezensenten

Eulenmatz liest | Lydias Literaturl(i)eben | I am Jane

 

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3 Gedanken zu “Origin. Dan Brown.

  1. Hallo Rebecca.
    Schade, dass dir das Buch nicht so gefallen hat. Ich würde mich schon als Brown- Fan bezeichnen und freue mich schon sehr auf das neue Buch. Sakrilege und Illuminati und Co haben mir immer gut gefallen. Jetzt habe ich aber schon so viele nicht so begeisterte Stimmen gehört, und auch dich konnte der Roman nicht überzeugen. Da werde ich natürlich skeptisch und meine Vorfreude auf das Buch hat schon deutlich abgenommen. Lesen möchte ich es auf jeden Fall. Aber kaufen werde ich es mir glaube ich nicht. Da warte ich lieber, bis es in der Bibliothek ist.
    Deine Rezension war auf jeden Fall sehr hilfreich und auch schön geschrieben. Und was ähnliche Bücher angeht: da habe ich gerade heute mit einer Freundin drüber gesprochen und und ist auch kein Autor oder keine Reihe eingefallen, die ähnlich ist. Diese Vermischung von Thriller, historischen Fakten, Kunst und Architektur etc ist eben schon besonders. 😉
    Liebe Grüße, Julia

  2. Hey Rebecca
    Bisher habe ich nur Inferno und Illuminati von Dan Brown gelesen. Seine anderen Bücher liegen noch auf meinem SuB und warten darauf gelesen zu werden.
    Als ich von seinem neuen Buch gehört habe, war ich zunächst super begeistert. Allerdings höre ich keine vollkommen überzeugte Stimmen dazu. Viele Leser haben scheinbar mehr erwartet. Ich denke Browns Technim funktioniert langsam nicht mehr so ganz. Bei den Rezensionen die ich bisher gelesen habe, wurde immer kritisiert das es den anderen Robert Langdon Bücher zu sehr gleiche. Der Aufbau, die Charaktere, der Handlungsverlauf, alles seischeinbar sehr ähnlich wie die anderen Bücher.
    Ich werde die Bücher von ihm auf meinem SuB auf jeden Fall lesen und dann entscheiden, ob sich Origin lohnt oder nicht. Ich bin mal gespannt was auf mich zukommt.
    Deine Rezensionst übrigens super genial geschrieben! Du befasst dich wirklich mit demInhaltund den vorherigen Bücher und hast seine eigene Art die Dinge darzulegen.
    Liebe Grüsse
    Julia

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