Rat der Neun | Rezension | www.goldblatt-blog.de
Rezensionsexemplar  

Rat der Neun ─ Veronica Roth

Durch dem „Strom“ erhalten Menschen im Laufe ihres Lebens eine Gabe. Doch so manch eine Familie mag besonders gesegnet sein und ihre Schicksale sind für die Gesellschaft der Galaxie enorm bedeutend. Solche gesegneten Menschen sind auch Cyra und Akos. Zwei junge Menschen, die aus verfeindeten Völkern stammen. Doch ihr Schicksal bringt sie zusammen und lässt beide Grenzen überschreiten. Gute, wie schlechte…

Wie so viele war ich sehr gespannt auf das neue Buch von Veronica Roth. Nach Die Bestimmung, einer echt guten Trilogie, die dazu auch noch von Hollywood verfilmt wurde, an ähnliche Erfolge anzuschließen und die Erwartungen wenigstens im Ansatz zu erreichen, ist da echt kein Zuckerschlecken. Nichtsdestotrotz lief diesem Buch ein unglaublicher Hype voran. Und zwar weltweit zur gleichen Zeit. Denn das Buch wurde zeitgleich am 17. Januar 2017 veröffentlicht.

Ich habe es etwas zeitverzögert gelesen. Und in der Zwischenzeit sind einige Stimmen zu dem Buch natürlich aufgetaucht. Und die waren nicht immer gut. Da gab es zum einen Rassismus-Vorwürfe. Die ich ehrlich gesagt nicht unterstütze. Vielleicht bin ich da nicht hypersensibel, aber man kann nach viel Mist in einem Buch suchen, wenn der Tag lang ist. Aber das ist ein anderes Thema.

Zurück zur Geschichte.


Was erwartet uns als Leser? Muss man Die Bestimmung gelesen haben?

Nein. Muss man nicht. Rat der Neun von Veronica Roth ist ein eigenständiges Buch, bzw. der Auftakt einer Dilogie, die überhaupt nichts mit Die Bestimmung am Hut. Unverkennbar sind dennoch ein paar Stilmittel und der Aufbau, die das Buch als eins von Veronica Roth auszeichnen. Da wäre zum Beispiel Cyra, eine Shotet, die Protagonistin des Buches. Sie ist stark, nicht auf den Kopf gefallen und hat einen unglaublichen Gerechtigkeitssinn und eine enorme Bindung an Traditionen. Und dabei ist sie noch sehr zäh. Ihre Lebensgabe bindet sie an permanenten und unerträglichen Schmerz, der erst durch starke Tränke oder noch später von Akos gelindert werden kann. Doch nicht nur sie leidet unter den Schmerzen, denn sie kann diese Schatten unter der Haut, die der Ursprung des Schmerzes sind, auf andere übertragen. Das macht sie zu einer sehr gefährlichen Gegnerin. Doch verlässt sie sich nicht auf die Gabe, sondern hat es auch im Nahkampf einfach drauf.

Ich bin ein Shotet. Ich bin scharf wie zersplittertes Glas und genauso zerbrechlich. Ich lüge besser, als ich die Wahrheit sage. Ich sehe die ganze Galaxie und erhasche dennoch nie einen Blick auf sie. ─ S. 290

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Zum anderen ist da noch Akos. Aus Thuve. Das Volk welches mit den Shotet seit Generationen verfeindet ist. Er ist ein umsichtiger und sehr reifer Charakter, der mir von allen Figuren noch am liebsten war. Denn die Geschichte wird aus den Perspektiven beider, Cyra und Akos, erzählt. Abwechselnd, in mehr oder weniger kurzen Kapiteln bekommt man als Leser einen Einblick und eine Bindung zu Cyra oder Akos. Was ich wirklich gut finde. Ich kann es nicht oft genug erwähnen, eine Geschichte bekommt dadurch eine bessere Dynamik. Wie auch hier geschehen. Und die braucht man auch.

Denn das Universum, welches die Autorin dem Leser vor die Füße legt ist ungemein groß, fantastisch, aber auch komplex. Und da ist nichts dran verkehrt. Denn das erste Mal seit gefühlt Ewigkeiten konnte ich mich wirklich in einer Fantasy-Welt hineinversetzen. Sarah J. Maas und ihre Throne of Glass-Reihe schafft da ähnliches. Aber hier hat man ganze Planeten von denen man hin und her springt. Da hat sich für mich eine wunderbar eigene Atmosphäre und auch Sogwirkung entwickelt, weswegen ich immer gespannt war, wie es mit Cyra und Akos weitergeht und was diese Welt bietet, wie die Gesellschaften aufgebaut sind etc.

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Ich kann aber dieses Buch nicht rezensieren, ohne zu erwähnen, dass dieses Buch auch unglaubliche Längen mit sich zieht. So interessant und vielseitig ich die Welten und Charaktere (großer Diversitäts-Faktor z. B. durch Homosexualität) auch finde, es gab ebenfalls manche Beschreibungen, die ich unnötig fand und manchmal Szenen, die sehr plötzlich aus dem Lesefluss heraus passierten.

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Insgesamt empfand ich Rat der Neun als eher ruhig. Das bedeutet nicht, dass es nicht auch actionlastige Szenen gab, aber die Erklärungen, der Aufbau dieser ganzen Welt vor dem Leser bedarf Zeit. Die nimmt sich Veronica Roth und ich hoffe, dass es sich im zweiten Band auszahlt. Besonders gegen Ende von Rat der Neun hatte ich das Gefühl, dass die ganzen Geschehnisse sich endlich in eine Richtung entwickeln, die den Leser wirklich bei der Stange halten kann und die Lust auf mehr macht. Und in ordentlicher Veronica Roth-Manier scheut sich die Autorin nicht harte Konsequenzen für ihre Charaktere am Ende auszudenken. Und ja, die sind mitunter brutal. Und dazu noch sehr bildlich beschrieben.

Ich war das Folterwerkzeug in seiner Hand, und wenn er mich ansah, dann war es so, als würde er eine beeindruckende Waffe betrachten. ─ S.109

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Und dann ist da, unter anderem, auch noch die Liebesgeschichte zwischen Cyra, eine Shotet, und Akos aus Thuve, eigentlich verfeindete Völker, die sich im Verlauf der Geschichte entwickelt. Ohne, dass man den Klappentext hätte lesen müssen, wird einem bei der ersten Begegnung der beiden schnell klar, dass da irgendwann was laufen wird. Das fand ich jetzt nicht sonderlich subtil. Aber als dann die ersten Szenen kamen, die diese Entwicklung deutlicher abzeichneten, fand ich es schon überraschend. Weil sich weder Akos oder Cyra in ihren Kapiteln mit dem jeweils anderen auf solch eine Art beschäftigen. Ich hatte da beim ersten Mal einfach das Gefühl einen großen Schritt, einen Aha-Moment verpasst zu haben. Dafür, dass man als Leser doch sehr nah an den beiden Leben dran ist, ist das schon eher lasch. Und obwohl ich beide Protagonisten echt nicht scheiße fand (und ich Kickass-Weiber in Büchern mag) hatte ich nie die Nähe zu beiden. Ihre Gefühle füreinander oder im einzeln wirkten bei mir nicht. Erst gegen Ende, wo sich gewisse Ereignisse überschlagen, bekommt das Buch auch in diesem Part einen Aufschwung. Für manch einen Leser mag das aber zu spät sein.


Fazit

Rat der Neun von Veronica Roth ist ein Buch, welches die schriftstellerische Entwicklung einer Autorin klar markiert. Es hat mich überzeugt, da es eigenwillige, aber auch bunte Charaktere aufweist und dazu Fantasy und Science-Fiction in einem sehr komplex und dabei doch struktruierten Setting vereint. Dennoch denke ich, dass Veronica Roth noch ordentlich Luft nach oben bleibt und bin gespannt, wie sie die Geschichte fortsetzen wird.


Infos zum Buch

Weitere Rezensenten:

Chaoskingdom | Damaris liest. | Tasmetu

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7 thoughts on “Rat der Neun ─ Veronica Roth

  1. Moin Rebecca,

    deine Rezi ist wieder sehr anschaulich geworden! Ich möchte Rat der Neun auch unbedingt lesen, bin aber über die ersten Seiten bisher nicht hinausgekommen. Schuld ist nicht das Buch (ich mag Veronicas Stil sehr gerne), sondern Grischa 2. Ich hatte das Glück noch ein gebundenes Exemplar zu ergattern und konnte mit dem Lesen doch nicht mehr warten. Jetzt bin ich wieder total in die Grischa Welt abgetaucht, hehe!

    Liebe Grüße
    Melli

    PS: Bist du eigentlich auch bei goodreads?

    1. Hallo liebe Melli,

      herzlich willkommen erstmal.
      Grischa will ich in diesem Jahr noch unbedingt lesen. Schieb es schon viel zu lang vor mir her. Daher sei dir verziehen. 😉

      Und zu deiner Frage: Du kannst mich auch bei goodreads finden. Ebenfalls unter dem Namen MissGoldblatt. 😊

      Liebe Grüße
      Rebecca

  2. Hi Rebecca,
    huch, da hört man ja mal wieder Gutes über das Buch. Seit der Veröffentlichung überwiegen ja die negativen Stimmen eher. Eine tolle Rezension! 🙂
    Ich bin mir noch gar nicht sicher, ob ich das Buch lesen werde. Einerseits bin ich grade total auf dem Space-Trip und wollte auch mal eine Geschichte der Autorin lesen, andererseits sind da natürlich die vielen negativen Meinungen. Mal abwarten, was passiert, es läuft mir ja nicht weg.
    Liebe Grüße,
    Elli

    1. Hallo Elli,

      Danke erstmal!
      Die negativen Stimmen habe ich anfangs auch verstärkt mitbekommen und hatte schon etwa Sorge, aber irgendwie hab ich mich davon freilesen können.

      Aber manchmal hilft es auch, das Buch mit „Hype-Abstand“ zu lesen. Wie du schon sagst, es läuft ja nicht weg. 😊

      Liebe Grüße und schönen Abend noch!
      Rebecca

  3. OMG du hast mich verlinkt! Vielen Dank! Ich flippe gereade aus vor Freude!
    Ich mag deine Rezension und kann deine Punkte verstehen. Ich habe mir Ähnliches gedacht. Ich hoffe sehr, dass der zweite Band es noch rausreißen kann, denn ich fand es stellenweise auch sehr schleppend. Es gab spannende STellen, aber auch langweilige. Ich bin gespannt. Ich muss sagen, dass ich eben „Die Bestimmung“ besser fand.

    1. Hey Vera,

      du hast mal eine andere Form der Rezension gehabt, deswegen: Warum nicht? 😀
      Die Bestimmung fand ich auch gut. Besser? Das weiß ich gar nicht. Da war vielleicht mehr Drive hinter, aber ich warte ab. Vielleicht überrascht mich Roth ja noch.

      Liebe Grüße
      Rebecca

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