Rezension | Bisschen Liebe zum Mittagstisch | www.goldblatt-blog.de

Bisschen Liebe zum Mittagstisch ─ Sanne Mayer

Sanne hat das Abitur in der Tasche. Doch was jetzt?
Als sie über einen Nebenjob die Möglichkeit bekommt, an einem Filmset zu arbeiten, sieht sie für sich die ultimative Chance gekommen. Etwas Glamour kommt in ihr Leben. Besonders als sie sich mit dem heißen und beliebtesten Jungschauspieler der Filmbranche anfreundet. Aber da gibt es auch noch ihren Chef. Der ist nicht unbedingt von alldem begeistert und irgendwie ist da auch noch was anderes. Etwas zwischen ihnen. Zwischen Irrungen und Wirrungen wird Sanne erkennen müssen, dass nicht immer alles Gold ist, was glänzt und dass das Beste oft so nahe liegt.

Meinung

Sanne Mayer hat mit Bisschen Liebe zum Mittagstisch einen leichten Roman für Zwischendurch geschaffen. Die fast 300 Seiten des eBooks sind sehr schnell durchgelesen. Denn mit einer leichten Sprache, die sich gut nebenher lesen lässt, schafft die Autorin ihren kleinen Mikrokosmos rund um die Geschichte. Leser, die gerne anspruchsvoll lesen, auch im Schreibstil, werden hier nicht glücklich. Dennoch gibt es ein weiteres Manko. Der Lesefluss hat bei mir erheblich gelitten.

Das Buch weißt viele Rechtschreibfehler auf, die sich nicht einfach überlesen lassen. Sowas mussnicht stören, vor allem im Selfpublishing-Bereich, kann aber. Und das sollte, meiner Meinung nach, immer vermieden werden. Weil es ein Stück weit Qualität ist, die hier fehlt. Und um ehrlich zu sein, selbst im Bereich des Selfpublishing, wissen die Autoren eine gewisse Qualität und Norm für den Leser zu schätzen.

Ich schrieb auch gern. Wichtiger war doch aber die Frage, ob andere auch gern lasen. Was ich schrieb? Meine Lehrer hatten mit den Eindruck vermittelt, dass es kein besonders großes Vergnügen war, meine Texte zu lesen. Ob das am Inhalt lag oder an meiner Schrift , war immer merkwürdig vage geblieben. ─ S. 5
 
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Aber nun zu den Personen und der Geschichte selbst.

Am Anfang war mir die Protagonistin, die ebenfalls Sanne heißt, sehr sympathisch. Sie ist jugendlich, frisch von der Schule. Man merkt in ihr noch eine gewisse Orientierungslosigkeit, eine Verträumtheit, die man nur in diesem Alter hat, an. Natürlich gefallen mir alterstypische Verhaltensweisen und Merkmale, da ich authentische Charaktere unheimlich schätze. Hier hat die Autorin wirklich gute Arbeit  geleistet. All das kommt nämlich in ihrer Sprache und ihrem Verhalten rüber. Allmählich mit dem Fortschritt der Geschichte, bekam ich mit Sanne aber immer größere Schwierigkeiten. Die negativen Seiten dieser Jugendlichkeit gewinnen in der Geschichte und über Sannes Wesen die Überhand. Das sind die Parts, die mir weniger gefallen haben. Es gab ab dem ersten Drittel einfach so viele Szenen, die extrem egoistische und auch naive Züge durchscheinen und sich rational einfach nicht nachvollziehen lassen. Genauso blieb ein Reifeprozess aus, trotz gewisser Subtexte und Botschaften, welche die Autorin mit in die Handlung hat einfließen lassen. Gerade in so einem Setting, den Umständen, wünscht man sich für die Protagonistin eine Entwicklung, die, vielleicht nicht offensichtlich, aber bei genauerer Betrachtung, einen roten Faden verfolgt. Das hab ich hier schmerzlichst vermisst.

Die Geschichte wird zu 100 Prozent aus der Sicht von Sanne erzählt. Was bedeutet, dass man keine Pause vor ihr hat. Das hat es für mich anstrengend gemacht, nicht irgendwann komplett genervt zu sein. Was der Geschichte selbst auch ein wenig Freiraum und Tiefe nimmt. Ich bin ja auch Fan von Perspektivwechseln. Aber je nachdem wie sich die Charaktere oder die Handlung entwickeln, kann mir auch die Sicht von nur einem Protagonisten reichen. Wie ich oft predige, steht und fällt für mich ein Roman, wenn nicht mindestens eine von zwei unabdingbaren Säulen gut ausgearbeitet ist. Entweder man zeichnet die Charaktere ausgewöhnlich gut und tiefgründig aus oder die Geschichte ist originell, schlüssig und der Hammer. Beides zugleich ist natürlich optimal. Allerdings erlebt man das nicht so häufig als Vielleser. Es lässt sich immer was finden.

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Und die Ausarbeitung von beiden Säulen, und sei es im Ansatz, habe ich stark vermisst. Für mich war klar, dass die Autorin sich hier sehr viel Mühe gegeben hat. Aber wenn man sich auch die anderen Protagonisten ansieht, wirken die einfach sehr blass und eher oberflächlich beschrieben. Hier geht es nicht weiter in die Tiefe der Persönlichkeiten, noch in die der Handlung. Es ist an vielen Stellen so vorhersehbar. Die Hintergründe warum mancher Protagonist innerhalb der Geschichte so agiert, wie er es tut, bleiben aus. Ich verstehe die Personen nicht, und das finde ich, persönlich, sehr schlimm. Und dann ist Hopfen und Malz verloren.
 
Und was ebenso ausbleibt, ist die Spannung. Der Spannungsbogen ist sehr flach und die Handlung unausgegoren. Es hat mich kaum gefesselt und die wenigen Passagen, die es ansatzweise taten, waren wiederum leicht vorhersehbar. Ich vermisse an allen Ecken die Abwechslung und einen gewissen Esprit, damit die Geschichte aus der Masse von vielen anderen Büchern aus dem Genre hervorsticht. Das muss nicht unbedingt das Ziel des Autors sein. Das ist mir klar. Allerdings wird sich das Buch so, in der Kombination von einem fehlenden Lektorat und Korrektorat kaum aus der Masse herausbewegen. Was schade ist. Denn ich denke, dass die wichtigen Botschaften und Themen, wie z. B. Blutspende, Krebserkrankungen, aber auch das Erwachsenwerden, noch wesentlich stärker und prägnanter für die Geschichte hätten ausgearbeitet werden können, wenn da jemand von Fach, am rohen Manuskript, gearbeitet hätte. So wirkt es an vielen Stellen, dass die Autorin viele wichtige Sachen auf einmal in dieses Buch packen wollte, aber sich daraus eher ein chaotischer Haufen Anekdoten gebildet hat, aus dem man die klare Linie kaum ersehen kann.

Fazit

An sich ist Bisschen Liebe zum Mittagstisch von Sanne Mayer eine schöne, kurzweilige Geschichte für Zwischendurch. Was ich persönlich sehr schade und für die Qualität der Geschichte fatal finde, war das ein Lektorat und Korrektorat komplett fehlt und daher die Menge der Schreib- und Logikfehler meinen Lesefluss beeinträchtigt hat. Außerdem empfinde ich die Struktur der Geschichte und die Ausarbeitung der Charaktere eher durchschnittlich und wenig besonders. Generell möchte ich Indie- und Selfpublishing-Autoren eine Chance geben, allerdings sollte ein Mindestmaß an Qualität gewährleistet sein. Nicht nur der Leser zuliebe.

 Lest ihr auch eBooks aus dem Selfpublishing-Bereich, oder nur von großen Verlagen?

 

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2 Gedanken zu “Bisschen Liebe zum Mittagstisch ─ Sanne Mayer

  1. Hallo liebe Rebecca,
    danke für deine schöne und ehrliche Rezension. Ich muss gestehen, dass dieses Buch bisher gar nicht auf meinem Radar auftaucht ist. *Ups* Der Klappentext klingt durchaus interessant und Neugier erweckend, doch wenn ich deine einzelnen Kritikpunkte so lese, muss ich leider gestehen, dass diese Neugier ganz schnell wieder verschwunden ist. Sehr schade, denn auch ich bin eigentlich immer dafür, auch den Selfpublishern eine Chance zu geben.

    Liebe Grüße
    Maike

  2. Hallo Maike,

    ich fühle mich auch wirklich schlecht bei der Rezension. Weil die Kommunikation mit der Autorin, die mir das Rezensionsexemplar gestellt hat, immer so nett und toll war. ._.
    Und dann tut es irgendwie weh, wenn man dem Buch so wenig abgewinnen kann. Meh. ;_;

    Liebste Grüße ♥
    Rebecca

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