Rezension | Caraval | Stephanie Garber | www.goldblatt-blog.de

Caraval ─ Stephanie Garber

Magie, Mysterium und ein großer Hype. Caraval hat schon im Vorfeld viel versprochen. Viele Leser waren von diesem Buch 2017 so richtig begeistert. Aber auch zu recht?


Ich kann das so nicht wirklich bestätigen. Caraval verspricht mit einer wunderschönen und fantastischen Covergestaltung ein ebenso besonderes und junges Fantasybuch zu werden. Ich gestehe, ich habe mich beim Anblick dieses Covers sofort verliebt und nachdem ich vom Inhalt gehört hatte, war ich kaum zu bremsen in meiner Vorfreude. Im Nachhinein ist eben diese Verpackung fantastischer, als der Inhalt.

Um was geht es bei Caraval? Scarlett und ihre Schwester Tella leben auf Trisda, einer kleinen Insel von der sie noch nie runtergekommen sind. Ihr beider Leben ist schwer gezeichnet von den Fortgang ihrer Mutter und der daraus resultierenden Verbitterung ihres Vaters, die sich den beiden Schwestern gegenüber ein Ventil verschafft.

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Durch Erzählungen der Großmutter erfahren die beiden von Caraval. Einem Festschauspiel sondergleichen. Lange Rede, kurzer Sinn: Nach etlichen Briefen von Scarlett an den Caraval-Meister Legend (ja, das ist sein Name) werden ihr Bitten und Flehen erhört. Sie und Tella werden nach Caraval eingeladen. Das allein birgt ein großes Wagnis, welches am Ende Scarlett gezwungenermaßen eingeht, nachdem ihre doch recht impulsive Schwester um jeden Preis nach Caraval möchte und abhaut.

In Caraval angekommen werden die beiden Schwestern getrennt. Weshalb, wieso ist genauso fadenscheinig, wie so viele Ereignisse in diesem Buch. Caraval ist wie eine Schnitzeljagd aufgebaut, in der es darum geht, dass Scarlett ihre jüngere Schwester wiederfindet. Begleitet wird sie dabei von dem augenscheinlich hinreißenden Julian, den die beiden Schwestern noch in Trisda kennengelernt haben. Julian ist so eine Augenweide, dass Scarlett nämlich mal schnell vergisst, worum es eigentlich bei Caraval gehen sollte. Nämlich ihre Schwester zu finden. Das gerät gefühlt ziemlich oft in Vergessenheit, wenn Julian Muskeln oder Blicke spielen lässt.

Das Feuer im Kamin erstarb und schickte einen grauen Rauchkringel in die Luft, die Farbe der Dinge, die man besser nur flüsternd aussprach. ─ S. 175

Ich habe mir Caraval als unglaublich magischen und fantastischen Ort vorgestellt, der aber am Schluss gar nicht fantastisch war. Klar, waren Beschreibungen, natürliche Schönheiten, Zauberei an jeder Ecke. Doch wenn man schon so eine einzigartige und scheinbar große eigene Welt wie Caraval aufbaut, darf man den Leser gerne erklären, was es mit Regeln oder der Magie dort auf sich hat. Ganz häufig erging es mir so, dass die Beschreibungen auf den Blick geil klangen, aber bildlich im Kopf nix bewirkten. Oftmals wirkte alles ziemlich chaotisch und wahllos dahingeschrieben. Keine Frage, der Schreibstil selbst ließ sich sehr flüssig lesen, aber manches Stilelement (z. B. die synästhetischen Wahrnehmungen und Beschreibungen seitens Scarlett) nervten irgendwann. Sie wirkten deplatziert und manchmal sogar sinnfrei.

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Das Buch verspricht Mysterium und Stephanie Garber füttert den Leser ordentlich mit Geheimnissen, die nicht aufgeklärt werden. Ist das Geheimnis um Legend gut aufgezogen? Ganz klares Ja! Stephanie Garber hat mich beim Lesen auf Trab gehalten. Längen vermisst man hier und ich selbst war immer wieder am Grübeln, was es mit dem Spiel oder mit dem Master Legend auf sich hat. Das ist cool, das mag ich, aber man kann es tatsächlich auch leicht übertreiben und einfach nervig gestalten. Besonders dann, wenn man zig Wendungen und Brotkrummen sät, die einen als Leser aber ins Leere führen.

Hoffnung ist eine mächtige Kraft. Manche sagen, sie wäre eine ganz eigene Art von Magie. ─ S.320

Immerhin kommen New Adult oder Liebesroman-Fans auf ihre Kosten. Die Autorin geizt nicht an der Darstellung eines Hin und Hers zwischen Scarlett, Julian, Dante oder Tella. Doch selbst mit den Personen habe ich ein Problem. Sie existieren einfach. Sie sind da. Die handeln und mögen Dinge, oder eben nicht. Aber ihre Tiefe an Persönlichkeit reicht von einem Wimpernschlag zum nächsten. Dafür bieten die Figuren Attraktivität und einen Hang zum kopflosen Verlieben. Und Doppelmoral ist sowieso total en vogue. So verknallt sich Scarlett innerhalb weniger Stunden und Tage (denn auf Caraval vergeht die Zeit schneller als normal) in Julian. Ist es da nicht irrwitzig, dass später im Verlauf des Buches Scarlett eben so ein Verhalten gegenüber Tella zum Vorwurf macht? Es ist einfach irrsinnig! Scarlett empfand ich zu Beginn noch als die Schwester, die eben sehr fürsorglich ist, einen ausgeprägten Beschützerinstinkt vorweist und eben nicht davor scheut, Entscheidungen und Wege zu gehen, die vielleicht anstrengender sind, aber einen wachsen lassen. Sobald Scarlett aber Caraval betreten hat, war dieses junge Mädchen fort. Naiv, blauäugig, in keinster Weise selbstständig und im Himmel! nicht so stark und kompetent, wie die Autorin einen Glauben lassen mag. Vielmehr verlässt sie sich sehr stark auf Julian und seine fragwürdige Kompetenz und sein Wissen über den Ort. Klar, er hat mich unter Wasser begrabbelt, wir sind halt richtig gute Buddies.

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Darüber hinaus sollte das Ganze insgesamt zeitweise auch sehr düster und gefährlich wirken. Auf mich hatte das nur eine megacreepige Wirkung, die dazu unzusammenhängend und blaß erschien.

Letztendlich ist der Klappentext geiler als der Rest und das Buch selbst war für mich eine mittelschwere Enttäuschung. Ein absoluter Abtörner war dann aber, dass das Buch wohl kein Einzelband ist bzw. kein Standalone bleibt. Dazu liest sich das Ende viel zu sehr nach einem Cliffhanger bzw. Wegebner für einen Folgeband.


Fazit

Caraval hatte Potential. Enormes. In der Umsetzung konnte das Buch aber kaum Substanz beweisen. Hier wurde so viel falsch gemacht. Die Charaktere schwach und oberflächlich, die Story konfus und der Weltenaufbau dahingeklatscht und unausgereift (warum können die Toten wiederauferstehen? – Erklärung: können die halt, keine Ahnung!). Hier fehlen massiv Erklärungen. Selbst am Ende, wo ein gefühlter Monolog eine Auflösung darstellen soll, blieb so viel offen. Erklär’s oder lass es bleiben. Dieses Ding dazwischen, wofür sich die Autorin entschieden hat, war einfach nicht gut. Das Buch verdient, wie ich finde, den Hype nicht.


Infos zum Buch


Weitere Rezensenten:

Tintentick | Sternenbrise | Ink of Books

Sehr gute und für mich treffende Rezension auf Goodreads (auf Englisch):

Emma

 

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1 Gedanke zu “Caraval ─ Stephanie Garber

  1. Liebe Rebecca,

    ich kann dir nur zustimmen. Ich habe so viel von dem Buch erwartet und war einfach enttäuscht. Mich haben Charaktere genervt, das Setting war nicht so magisch wie erhofft und manche Handlungen waren für mich völlig unverständlich. Ich werde wohl keine weiteren Bände lesen, falls es sie geben sollte.
    Schöne Rezension und die Kritik ist für mich sehr nachvollziehbar.
    Ich habe das Gefühl, wir stehen mit unserer Meinung ziemlich alleine da 😀

    Liebe Grüße
    Charline

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