Rezension | Das Reich der Sieben Höfe - Flammen und Finsternis | Sarah J. Maas | www.goldblatt-blog.de

Das Reich der sieben Höfe – Flammen und Finsternis ─ Sarah J. Maas

Im Vorfeld herrschte ja echt sehr viel Hype um den zweiten Band zu „Das Reich der sieben Höfe“ von Sarah J. Maas. Umso größer waren auch die Erwartungen meinerseits, nachdem mir der erste Band schon sehr gefallen hat. Trotzdem … uneingeschränkte Begeisterung empfinde ich nicht.


Man muss schon sagen, dass Sarah J. Maas, gefühlt, eine Autorenmaschine ist. Und dieser ganze Fandom, der hinter der Throne of Glass- und ACOTAR-Reihe steckt, ist schon beeindruckend. Da regelmäßig und gleichwertige Romane abzuliefern würde wohl den einen oder anderen Autoren in die Knie zwingen, oder zumindest ins Schwitzen bringen. Denn diese Frau ist permanent am Schreiben. Anders kann man sich das auch gar nicht vorstellen, so oft wie Bücher von ihr erscheinen. 

Das Reich der sieben Höfe – Flammen und Finsternis ist nun die deutsche Version zu #ACOMAF (A Court of Mist and Fury). Persönlich waren die Erwartungen immens. Als Blogger kommt man auf Twitter & Co. kaum um den Fandom oder die Bücher, oder die Autorin selbst, herum. Wenn man bedenkt, dass viele deutsche Übersetzungen zeitversetzt in Deutschland bzw. im deutschsprachigen Raum veröffentlicht werden, und nicht wenige Blogger oftmals das englische Original lesen (welches gut ein dreiviertel bis ein Jahr eher erscheint), dann ist es nicht verwunderlich, wenn man den Eindruck bekommt, dass Sarah J. Maas und ihre Bücher omnipräsent sind.

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Gewisse Spoiler bzw. Ahnungen, Fitzelchen und Eindrücke von den Büchern zu entkommen gleicht einem Spießrutenlauf, dem sich wohl die wenigsten erfolgreich stellen. Wenn man bedenkt, wie groß allein der Fandom um Rhysand, einer der männlichen Figuren aus dem Buch, ist. Und erst vor einigen Monaten ist der dritte Band der Reihe auf englisch erschienen (für die deutsche Übersetzung gibt es derzeit noch kein Veröffentlichtungsdatum). Selbst da war die Sehnsucht bei den eingefleischten Fans groß. 

Nachdem der dtv ja beim ersten Band eine große Bloggeraktion veranstaltet hat und die Begeisterung nun auch in den deutschsprachigen Raum vollends geschwabbt ist, war die Erwartung nach dem zweiten Band ähnlich groß.

„Auf die Sterne, die zuhören – und auf die Träume, die wahr werden.“ ─ S. 388

Ich habe den ersten Band bereits gelesen und hier auf dem Blog rezensiert und nachdem ich dieses Buch schon mochte, waren gewisse Erwartungen da. Kann der zweite Band an das Gefühl aus dem ersten Band anknüpfen? Entfällt der etwas zähe Part im Gegensatz zum Vorgänger? Wie entwickelt sich die Geschichte weiter?

Sarah J. Maas hat sich da ordentlich etwas einfallen lassen. Und was das war, hat mir tatsächlich gefallen. Sehr. Aber auch nicht uneingeschränkt. Die Handlung des Buches setzt relativ zeitnah an den Geschehnissen aus Band 1 an. Nur merkt man als Leser recht schnell, dass dieses Happy End mit Tamlin keins war. Vielmehr unterliegt die Beziehung der Beiden einer enormen Prüfung. Die Strapazen und Erlebnisse der beiden, aus der Zeit unterm Berg, haben sie geprägt und unwiderruflich verändert.

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Besonders stark sieht man das bei Feyre. Die Feyre aus dem ersten Band war mir manchmal zu blauäugig und zugleich etwas zu forsch und unbedacht. Das hat die Autorin in diesem Buch geändert. Feyre ist nicht mehr das junge, fröhliche und leichtgläubige Mädchen. Sie kommt der Definition einer starken Frau schon wesentlich näher. Aber auch das benötigt Zeit und obwohl sie schon ordentlich was auf dem Kerbholz hat, hat sie mich erst gegen Ende so richtig beeindruckt. Diese Zeit nimmt sich Maas für Feyre raus (auch wenn ich hin und wieder das Gefühl bekam, dass Feyre sich anfangs ein wenig im Kreis dreht). Aber eben diese Zeit, die man sich hier nimmt, Feyre in tiefen Facetten abzubilden, lohnt sich. Diese Feyre hat mich berührt. Nicht auf eine rührselige Art und Weise. Es war eher eine Art Schock. Das Wort verleiht dem ganzen nur eine extreme Dramaturgie, die vielleicht passen könnte; wären da eben nicht diese Dimensionen, in denen sich Feyre in ihrer emotionalen Welt bewegt. Und da passt das eben wieder nicht. Vielmehr staune ich über die düsteren Seiten Feyres und mag sie erstaunlicherweise sehr. Sie stehen ihr und machen sie zu einer wesentlich stärkeren, empathischen und für mich nahbaren Figur. 

Jetzt klaffte dort, wo einst Farbe und Licht und Struktur gewesen war, nur noch ein kaltes, nacktes Loch, ein schmutziges Verlies. ─ S. 172

Doch eine reine Lobrede wird das hier auch nicht. Ich muss gestehen, dass ich in der ersten Hälfte nicht mehr so eingenommen wurde, wie noch am Ende des ersten Bandes. Und auch über die ganze Geschichte hinweg oder auch nach dem Beenden des Buches, würde ich nicht behaupten, dass ich es galaktisch oder überraschend wunderbar empfand. Ich habe dem Buch tatsächlich fünf Sterne auf Goodreads gegeben, weil es abwechslungsreich ist und mir die Charaktere aus dem Nachthof sehr familiär wurden. Aber dieses besondere Gefühl von einst, das fehlte mir. Warum das so ist? Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil Feyre jetzt ernster ist? Weil alles ein wenig größer, mächtiger und düsterer geworden ist? Was nicht nur schlecht sein muss, aber eben auch die zarten, magischen Momente, haben mich nicht mehr so gepackt.

Das Reich der Sieben Höfe – Flammen und Finsternis bietet eine unglaublich große Liebesgeschichte, die aus einer Düsternis entsteht. Das ist zwar, für meinen Geschmack, und wenn man über grobe Sachen nachdenkt, leicht romantisiert dargestellt, aber es passt leider dann irgendwie schon in dieses Setting. Dadurch, dass die Autorin eben dieser Beziehung sehr viel Zeit und Raum gegeben hat, mag ich hier zähneknirschend ein Auge zudrücken. Das ist dann eventuell ein Part der Geschichte, den sehr kritischen Menschen nicht so gut gefällt. Neben einer großen Liebe und einer ordentlichen Portion Sex, findet der Leser auch actiongeladene Szenen, epische Kämpfe und sagenumwobene Geheimnisse und Intrigen. Und Letzteres reizte mich sehr an dem Buch. Denn dadurch entstanden immer wieder Überraschungen und Wendungen, die ich nicht habe kommen sehen.

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Bewusst halte ich mich bei den Charakterbeschreibungen zu den Figuren zurück, weil ich eben der Meinung bin, dass das ein bemerkenswerter Teil des Buches ist und jeder sich selbst da ein Bild machen sollte. In Bezug auf Rhysand, der im ersten Band eher böse und sehr durchtrieben rüberkam, hat sich einiges getan. Damit habe ich nicht gerechnet und das war toll. Ich wusste, dass die ganzen Fans der Reihe Rhysand hypen und abgöttisch lieben, warum und weshalb, war mir bis dahin aber absolut schleierhaft. Und nun kann ich es verstehen. Dazu kommen einige neue Figuren dazu, und das mag ich sehr. Das gab dem Hof der Nacht eine ganz besondere Atmosphäre und zugeben, die Handlung war dadurch allein wesentlich abwechslungsreicher.

Dieses Blut … ich genoss es förmlich. Blut für eine blutige Tat. ─ S. 554

Was ich vielleicht nicht ganz so verstehe, ist, dass das Buch ab 14 Jahren sein soll. Das mag jeder Fan und Leser für sich selber definieren, wenn man das Buch schon kennt, aber mir wären als 14-Jährige bei solchen (Sex)Szenen die Augen aus dem Kopf gekullert. Vielleicht mag das zu dem allgemeinen gesellschaftlichen Bild in Bezug auf die Jugend heutzutage kein Ding mehr sein (wenn man auf Smartphone schon auf dem Schulhof Pornos oder Gewaltvideos schaut … war da nicht mal etwas?), aber da hätte man die Daumschrauben vielleicht etwas enger anlegen sollen. Gerade weil die eher süßliche Gestaltung des Covers (junges Mädchen im Ballkleid, Schmetterlinge …) einfach nicht das wiedergibt, was das Buch beinhaltet und das täuscht. Oma XY schenkt dann locker flockig ihrer 14-jährigen Enkelin dieses Buch, denkt sich nichts dabei und in der Realität drückt sie ihr ein Porno- und Gewaltbuch in die Hand. Hallo? Ich hab da definitiv keinen Stock im Hintern, find ich trotzdem hart grenzwertig.


Fazit

Ich mochte das Buch sehr und habe es sehr genossen in Prythian und am Hof der Nacht zu verweilen. Ich freue mich schon sehr auf den Finalband, der hoffentlich nicht mehr so lange braucht um auf Deutsch zu erscheinen und mag es New Adult-Lesern, sowie etwas älteren Fantasylesern, die bereits Bücher von Sarah J. Maas gelesen haben gerne empfehlen.


Infos zum Buch
 


Weitere Rezensenten:

Kunterbunte Flaschenpost | Bücherquatsch | Wortmalerei

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4 Gedanken zu “Das Reich der sieben Höfe – Flammen und Finsternis ─ Sarah J. Maas

  1. Eine wundervolle Rezension, liebe Rebecca!
    Ich gehöre zwar zu jenen, die dieses Buch ohne Wenn und Aber (außer vllt, dass es 700 Seiten zu kurz ist) lieben, aber ich kann deine Kritikpunkte durchaus nachvollziehen. 🙂

    Was die Altersempfehlung angeht, habe ich auch selten dämlich geguckt. Nicht, weil mir in dem Alter bei den Sexszenen die „Augen rausgekullert“ wären, sondern, weil ich allein schon bei dem Ausmaß der Brutalität gerne ein schützendes Händchen über der Jugend liegen sehen würde. Und eine Altersempfehlung kann da schon helfen, Eltern eine gewisse Ahnung davon zu geben, ob man ein Buch bedenkenlos vom Sprössling lesen lassen kann, oder ob da am Ende (oder im Vorfeld) vielleicht mal drüber gesprochen werden sollte.

    Hab einen schönen Start in die Woche, Liebes.
    Maike

    PS: Vielen vielen Dank fürs Verlinken! <3 Ich freue mich darüber gerade wie ein kleines Kind zu Weihnachten. 😀

  2. Hey 🙂 Eine wirklich tolle Rezension. Sie gibt einen guten Blick auf das Buch, ohne aber zu viel zu verraten. Bislang habe ich eher einen Bogen um diese Reihe gemacht. Throne of Glass war so überhaupt nicht meins, aber vielleicht klappt es ja hier dieses mal mit mir und Frau Maas. Was mich abschreckt ist der Beziehungskram, aber „Neben einer großen Liebe und einer ordentlichen Portion Sex, findet der Leser auch actiongeladene Szenen, epische Kämpfe und sagenumwobene Geheimnisse und Intrigen. “ klingt doch wirklich sehr spannend.

    Ich werde auf jeden Fall berichten, sollte ich mit der Reihe anfangen.

    Liebe Grüße,
    Nise

    p.s.: Ich habe es dir schon einmal geschrieben, aber es muss einfach noch einmal sein: Ich liebe dein Blogdesign. Schlicht und stimmig mit Wiedererkennungswert. Einfach nur toll!

  3. Hey!
    Eine wundervolle Rezension zu dem Buch, ohne zu viel vorweg zu nehmen, toll! 🙂
    Ich habe den zweiten Band unfassbar doll geliebt und denke ständig daran zurück. Bald werde ich den dritten lesen und habe echt ein wenig Angst davor, was so passieren wird. Und dann ist es halt vorbei.
    Aber mir bleibt noch ToG, wovon ich bisher nur den ersten gelesen habe, der mir auch echt gut gefallen hat.
    Zu der Entwicklung von Feyre kann ich sagen, dass ich das ähnlich sehe wie du. Sie hat sich echt gemacht, vor allem zum Ende vom 2. Teil.

    Die Empfehlung ab 14 Jahren kann ich auch nicht so ganz nachvollziehen.

    Das Zitat klingt auf Englisch übrigens so viel schöner und passender, finde ich. <3
    Ich bin echt froh, dass ich mich getraut habe und es doch recht gut verstanden habe, nachdem ich aufgehört habe, alles nachzuschlagen.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    1. Hallo Nicci,

      das Zitat finde ich auch im Englischen sehr viel schöner und smoother im Klang. Aber na gut, dtv kann ja nichts für die deutsche Sprache. xD
      Ich warte jetzt erstmal auf Band drei und dann beschäftige ich mich weiter mit der ToG-Reihe. Die habe ich sogar schon angefangen. Müsste dann auch Band drei lesen. Ups …

      Danke für dein Feedback und deine Besuch ♥

      Liebe Grüße
      Rebecca

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