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Die sieben Tode des Max Leif ─ Juliane Käppler

Max ist ein Karrieremensch. Mit dem Porsche dauerhaft auf der linken Spur prescht er Leben. Ein Herzinfarkt bremst ihn urplötzlich aus, von jetzt auf gleich stirbt sein bester Freund und nach dem Urlaub überkommen ihn allerhand Symptome, die auf eine exotische und tödliche Krankheit schließen lassen. Aber Sterben darf er nicht! Er muss noch etwas erledigen. Und wenn es das Letzte ist, was er tut.


Meinung

Ich lese wirklich selten humoristisch angehauchte Romane. Warum das so ist, kann ich gar nicht erklären. Es spricht mich aber auch selten etwas in der Art an. 
 
Bei Die sieben Tode des Max Leif von Juliane Käppler war das anders. Ich hatte es in den letzten Monaten mal kurz bei Twitter und Instagram gesehen, ein oder zwei Rezensionen dazu überflogen und dachte mir „Ja, kann man mal machen“. Und nachdem ich das Buch nun durchgelesen habe, kann ich diese Aussage noch immer treffen. Das passiert auch nicht immer bei Büchern, dieser Art. 
 

 

Merkwürdig bleibt die ganze Sache trotzdem, denn es ist gewiss nicht normal, von einem Moment auf den anderen Fieber zu bekommen, ohne Husten, Schnupfen oder Halsweh, und dann ebenso schnell wieder fit zu sein. Das schreit geradezu nach Recherche! ─ S. 79

 

 
Die sieben Tode des Max Leif ist ein sogenannter Hypochonder-Roman. Und yes – it is! Genau mit dieser Erwartung geht man an das Buch. Es steht in kaum zu übersehbaren Lettern auf dem Cover. Keine meiner Erwartungen wurde unterboten. Vielmehr wurde ich sogar noch überrascht. Dazu komme ich aber etwas später.

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Wie sieht das mit dem Schreibstil von Juliane Käppler aus? Ich habe nichts zu meckern. Der Roman lässt sich super lesen. Flüssig und leicht. Mit der Prise Humor und kleinen sarkastischen Spitzen in den Dialogen, ist das Schmunzeln nicht weit. Was ich allerdings am meisten an der Autorin schätze ist, dass sie sich in der Geschichte auf das Wesentliche besinnt. Sie verfolgt in der Geschichte eine klare Linie; schweift an Stellen, in denen sie das sicher könnte, nicht aus. Das hatte für mich den enormen Pluspunkt, dass ich immer wieder in die Geschichte gut reingefunden habe, unterwegs oder draußen lesen konnte, und mein Fokus auf dem Buch lag. Das ist auch nicht immer selbstverständlich. Ich musste, zum Beispiel, abends im Bett nicht noch einmal den Konzentrationsschalter umlegen, um jedes Wort, jeden Satz aufzusaugen und wirken zu lassen. Denn Käppler findet mühelos mit der leichten Sprache und dem Irrwitz der Geschichte, einen Zugang zum Leser, sodass einem die Geschichte wirklich beim Abschalten hilft und sogar zuzufliegen scheint.
 
Und die Geschichte um Max Leif macht Spaß. Sie ist amüsant, unterhaltend, originell und bietet sogar etwas für das Herz. Letzteres hätte ich so auch nicht erwartet. Denn das erste Bild, was ich als Leser von Max bekomme ist: Der ist nicht ganz dicht. Ein bisschen paranoid, ein bisschen verkorkst und ein kleiner Machomit übersteigertem Selbstwertgefühl.

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Während er nach dem Tod seines besten Freundes, einem eigenen Herzinfarkt und dem Urlaub, wo ihn vermeintlich die Tse-tse-Fliege mit irgendeiner Seuche angesteckt haben könnte, irgendwie am Rad zu drehen scheint, von einer (tödlichen) Krankheit in die nächste schliddert, zeichnet sich immer mehr ein anderes Bild ab. Da ist ein Mann, der hinter diesem Ich-bin-ein-ganzer-Kerl-Gehabe, doch sehr verletzlich ist. Der unheimlich großzügig und warmherzig ist. Und in jeder seiner großzügigen Taten steckt eine Fürsorge für seine Umwelt und seine Mitmenschen, die mich wirklich gerührt hat.
 
Irgendwann beschließt er kurzerhand sein Unternehmen loszuwerden. Er ist eh nicht auf das Geld angewiesen, und verscherbelt das Unternehmen für einen einzigen Euro. Wahnsinn? Auf den ersten Blick. Allerdings lässt er sich vertraglich zusichern, dass alle Mitarbeiter ihre Jobs behalten. Oder: Seine Putzfrau muss irgendwann einen zweiten Putzjob anfangen, weil das Geld nicht reicht. Was macht Max? Er schlägt ihr eine Gehaltserhöhung vor, damit sie nicht hin und her hetzen muss. Dazu kriegt sie noch einen Wagen geschenkt.
 
Ist der irre? Das könnte man sich vielleicht bei solchen Sachen fragen. Meine Antwort: Ja, ein bisschen ist er es schon. Aber das erklärt auch, warum er bei jeglichen Symptomen auch Doktor Google befragt und meint, eh bald sterben zu müssen.
 
Kleiner Exkurs: Die Szenen in der Arztpraxis, bei Frau Dr. Bärbeißer (was ein Name), finde ich so gelungen in Bezug auf das Thema! Herrlich!
 
Generell hatte ich das Gefühl, dass Max sich selbst das Leben unnötig schwer macht. Ein Grübler durch und durch ist. Alles zerdenkt, und am Ende sich für alles und jeden verantwortlich fühlt. 
 
An dieser Stelle muss ich die Vielfalt der Persönlichkeiten im Buch hervorheben. Nicht nur Max weist eine überraschende Tiefsinnigkeit auf. Sondern jeder Charakter in der Geschichte ist ein wichtiges Puzzlestück und ergänzt die Geschichte. Macht sie runder. Angefangen bei der russischen Putzfrau, klein – aber oho!, mit dem unüberlesbaren Akzent, bis hin zu Max‘ Eltern, die ihrem Sohn in den Ohren liegen, die familieneigene Pension auf Sylt zu übernehmen, oder aber Maja, die liebevolle, aber markante Kellnerin aus dem Café, in dem Max jeden Tag einen Espresso trinkt. Oder vielmehr Kamillentee, seit er sich sicher ist, dass er sich von innen heraus auflöst.
 
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Schon recht früh in Die sieben Tode des Max Leif, wurde mir klar, dass Maja eine besondere Rolle zugeschoben bekommt. Irgendwann bekommt man als Vielleser dafür ein Näschen. Oder Äuglein. Wie man’s nimmt. Weiter im Text. Doch denkt man sich dabei, dass sie einfach sein Herz, seine geschundene, hypochondrische Seeleheilen wird. Aber dabei bleibt es nicht. Achtung, Spoiler-Alarm! – Um und an Maja ist etwas wesentlich Größeres im Gange. Das sieht man nicht kommen und ist umso geplätteter, wenn man es dann liest. Ich fand diesen unvorhersehbaren Aspekt unfassbar gut gelungen. Damit hat die Autorin mich ehrlich sprachlos gemacht und hat dem Buch gegen Ende einfach so viel Tiefe und Herz eingehaucht. Vor diesem Plottwist schunkelt das Buch so ein bisschen vor sich hin. Süß und schön, witzig und schräg – wie es halt aufgemacht ist. Danach ist es angefüllt mit Wärme, Tragik und Spannung. Das war nahezu ein Wärmepflaster auf dem Herzmuskel (ist das gesund?). Eine Anspielung musste sein, sorry!
 
Eigentlich gibt es noch so viel mehr, was ich hervorheben sollte, die es wert sind. Da war zum Beispiel der Umgang mit dem Hund, welchen Max von seinem verstorbenen Freund übernommen hat; dass Maja und Max mal zusammen kiffen, wie sie sich Witze erzählen und sich dieses Kunden-Dienstleistungsverhältnis immer mehr auflöst, in eine Freundschaft und mehr; dass Maja auch eine tragische Geschichte im Hintergrund hat; dass Max ein gebrochenes Herz hat und seine olle Ex eine komische Tante ist… Und und und…
 
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Das Buch bietet auf den ersten Blick nur eine merkwürdige und kurzweilige Geschichte. Im Endeffekt hat mich das Buch aber beim Lesen, in seiner Entwicklung und besonders im letzten Drittel nochmal richtig verblüfft. Ich habe ein leichtes, humoristisches Buch erwartet und viel mehr bekommen. Sowas mag ich. Solche Überraschungen im Buch, die auch aufgehen storytechnisch, sind oftmals viel zu rar gesät.
 
Und ich weiß, dass ich viel zu wenig auf den humoristischen Teil von Die sieben Tode des Max Leif  eingehe. Aber das ist bei mir nicht der Teil, der das Buch ausmacht. Der Humor ergänzt das Buch, aber inhaltlich bietet es so viel mehr als nur die Absurdität von so manch dargestellter Situation oder Szene im Buch, die es zu einem „Hypochonder-Roman“ machen.

Fazit

Ich fand Die sieben Tode des Max Leif richtig gut. Doch begründet sich meine Begeisterung auf Distanz. Ich habe das Buch nach dem Auslesen noch etwas wirken lassen, ehe ich diese Rezension geschrieben habe. Das Buch hatte nämlich an manchen Stellen auch so ein paar zähe Passagen in der Mitte. Über die ich mittlerweile hinwegsehen kann, weil das letzte Drittel der Geschichte einfach so einen Wow-Effekt hat. Und eben dieses Drittel hebt dieses Buch in seiner Art hervor und wird mir deswegen noch lange ein Begriff sein.
 
Wer das Buch also ebenso lesen mag, denn ich kann es empfehlen, sollte das unbedingt tun!

Was haltet ihr von humoristischen Romanen? 

 
Weitere Rezensenten:

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11 Gedanken zu “Die sieben Tode des Max Leif ─ Juliane Käppler

  1. Ich kann mir nicht helfen, aber aus irgendeinem Grund muss ich bei dem Buchtitel immer an eins dieser trockenen Schullektüren denken. xD

    An diesem Buch bin ich unlängst erst im Buchladen vorbei gelaufen und dachte dabei noch, dass doch irgendwer aus meiner Timeline damit gerade seine Zeit verbringt. Jetzt weiß ich auch wieder, wer das war. Ich will nicht behaupten, dass "Die sieben Leben des Max Leif" uninteressant klingt, ganz und gar nicht, allerdings lese ich allein in deiner Rezension schon so viel von mir selbst raus, dass ich von dem Buch dann doch lieber die Finger lasse. Nicht, dass ich während des Lesens auf einmal den Spiegel vor die Nase gehalten bekomme und mich erschrecke. o.O

    Fühl dich gedrückt, meine allerliebste Rebecca
    Maike

  2. Huhu,

    das Buch hört sich ja ganz witzig an. Ich werde es mir auf jeden Fall merken, vielleicht ist das was für den kurzen Lesespaß für zwischendurch 😀

    Liebe Grüße,
    Lena

  3. Hi du,

    ich muss dir beipflichten. Das Buch beinhaltet viel mehr, als man es auf den ersten Blick vermutet. Auch ich war positiv überrascht, gerade weil ich derartige Kost sonst gar nicht erst in die Hände nehme, und dann doch etwas beim Lesen für mich mitgenommen habe. Las sich ganz herrvorragend. Ich fand vorallem die russische Putzfrau und Machete den Knaller, von Max merkwürdigen Selbstdiagnosen mal ganz abgesehen. Im Herbst soll übrigens ein zweiter Teil kommen.

    Liebe Grüße
    Steffi

  4. Hallo liebe Rebecca,
    eine schöne Rezension! Ich finde es klasse, wie Du die Worte zu dem Buch findest. Man merkt Dir an, dass es Dir gefallen hat und Du dennoch es nicht für ewig in Dein Herz geschlossen hast. Ich hab schon öfters von dem Buch gehört aber in etwa die gleichen Gedanken wie Du dazu. Aber vielleicht wäre es mal eine kurzweilige und unterhaltsame Zwischenlektüre zu der vielen Fantasy die ich lese. Das mit dem Hypochonder kenne ich ein wenig *hihi*, wenn mein Liebster niest, ist sein erster Satz dann auch immer gleich "oh Gott, ich werde krank" .. ich kommentiere das schon gar nicht mehr, weils ja doch nicht eintrifft (was ja gut ist!! aber Määääänner …. ;-)) Ich finde übrigens Deine Bilder einmal mehr gelungen, Du hast Dich inzwischen auf einen bestimmten Stil eingeschossen und diese Art der Nahaufnahmen gefällt mir sehr gut!
    Nun wünsche ich Dir noch einen schönen Abend & sende LG
    Kati

  5. Huhu liebste Kati!

    Danke erstmal für so viel Lob. Das muss ich erstmal verdauen. 😀

    Das mit den kranken Männern… ein Lied, was sich immer singen lässt. Mein Herzblatt hat wohl irgendeinen genetischen Defekt. Er hat manchmal so Niesanfälle, die hören nicht unter mind. 10x niesen auf. Eine Plage. Für ihn. Sicherlich. Und für mich erst! Aber aus diesem Grund spare ich mir diese "Gesundheit"-Floskel bei ihm total. Sonst würd ich nie wieder was anderes machen. xD Gleiches gilt für Ankündigungen, dass er spürt, dass da evtl. was im Anflug seien könnte… So viel Konjunktiv halte ich nicht aus. x'D

    Liebste Grüße und schönen Abend noch!
    Rebecca

  6. Hey Steffi,

    von dem zweiten Teil habe ich auch schon gehört. Allerdings weiß ich nicht so recht, ob ich den lesen werde.
    Vielleicht irgendwann einmal, wenn es sich ergibt. Es steht aber nicht auf meiner Must-Read-Liste.

    Vielen Dank für deinen Besuch!

    Liebe Grüße
    Rebecca

  7. Hallo Lena,

    für Zwischendurch auf jeden Fall. Mit wirklichen Vorsatz habe ich das Buch ja auch nicht gelesen und deswegen war es vielleicht auch so gut bzw. überraschend positiv.

    Liebe Grüße und schönen Abend noch! ♥
    Rebecca

  8. Nach hunderttausend Jahren antworte ich dir auch mal hier. Sorry!^^°

    Ich finde diese Einstellung vollkommen in Ordnung. Hab erst gerade noch die Rezension von Kati zu Nevernight gelesen und für mich gemerkt… Trotz des positiven Feedbacks von Kati, ist das Buch einfach nichts für mich. Wenn es sich irgendwann irgendwie ergeben sollte, schnupper ich da mal rein. Aber es muss echt nicht sein.

    Trotzdem Danke für das Feedback! ♥

    Herzlichste Grüße
    Rebecca

  9. Guten Abend liebe Rebecca,
    oh wow, einen Gendefekt zum Niesen! Der arme Kerl, das kann ganz schön anstregend sein! Naja, da macht der Satz Gsundheit wahrlich keinen Sinn mehr. Ich hab mal gelesen, dass es Nies(Abnehm)Kuren gibt (keine Ahnung ob das ein 1. Mai Scherz war) – vielleicht tröstet das … ? Ich hab heute übrigens so eine Untersetzer Matte von den Schwiegerltern gechenkt bekommen, so eine geflochtene, wie Du auch hast. Und ich hab glatt ein Foto damit gemacht. Nur das Du es weißt: es bleibt eine Ausnahme!! Ich hatte kurz überlegt es nicht zu Posten auf Instagram, weil diese Matte an sich DEIN Stil ist, Deine "Marke" .. aber ich dachte eins ist okay und Du wirst hoffentlich wissen, das ich KEINE Copy Cat bin sondern einfach die Kombi der Bücher genutzt habe … dennoch wollte ich das sagen, nicht das Du denkst "ey was macht die Zeit zu Lesen da jetzt" ? 😉 Just to clarify.
    Dicken Knuddler zum Wochenende!
    Kati

  10. Hey Kati!

    Ach, so ein Schmarrn! Diese Matte würde ich nie im Leben als "mein Stil" oder "Marke" bezeichnen. Gibt's ja in jedem IKEA. x'D Das Ding liegt halt permanent im Esszimmer, wo ich die Fotos immer mache. Das ergibt sich dann immer, dass das Teil mit aufs Bild kommt. xD

    Also fühl dich frei, Fotos noch und nöcher damit zu machen! 😀 Ich fand das Foto sehr hübsch! ♥

    Allerliebste Grüße und Glückwunsch zum Sprung!
    Rebecca

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