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Einfach unvergesslich ─ Rowan Coleman

Du triffst die Liebe deines Lebens. Du bist älter als er. Doch das ist dir egal. Du bekommst ein Kind von ihm. Und das ist dein größtes Glück. Deine älteste Tochter, von einem Mann, den du verlassen hast, als du schwanger wurdest. …. Vergessen.
Claire ist an Altersdemenz erkrankt. Dabei ist sie noch so jung. Anfang vierzig. Sie kämpft jeden Tag gegen den Nebel, gegen diese unsichtbare, aber unumstößliche Wand im Kopf. Doch was bleibt, wenn du alles und jeden um dich herum vergisst? Was passiert mit den Menschen, die dich lieben? Die du liebst?

Meinung

Wenn man ein Buch sucht, welches wieder auf gefühlvolle Art eine Krankheit authentisch erzählt und erklärt, greift man auf Einfach unvergesslich von Rowan Coleman zurück. Unbeschreiblich ist schon der Beginn des Buches. Er holt einen in der ersten Sekunde ab. Die Wörter lesen sich so leicht und positiv, in den Passagen der Erinnerungen fast schon poetisch. Und genau dieses Gefühl überträgt sich. Diese sanften Worte spinnen ein weiches Netz um den Leser und das Buch, man mag es einfach nicht hergeben, geschweige denn unterbrechen.
 
Ich glaube, Liebe vergeht nicht. Liebe ist die wahre Erinnerung. Liebe ist das, was bleibt, wenn wir nicht mehr sind. Ich glaube, diese Gefühle sind viel echter, viel realer als unsere Körper und alles,  was mit unseren Körpern schieflaufen kann. Das hier… ist nur die Verpackung. ─ S. 318
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Nachdem zügig klar wird, dass die Krankheit bei Claire schneller fortschreitet, macht man sich als Leser schon Gedanken, wohin das führen mag. Klar ist erstmal nur eins, es wird für alle Beteiligten nicht schöner. Obwohl Claire mit jeder Seite, die man wegliest immer öfter in Phasen des Vergessens abdriftet, wird die Entwicklung der Figuren in Einfach unvergesslich doch schöner und feiner. Und mit jedem liebevollen Satz, aber auch mit jedem Wutausbruch, jeder noch so unvorsichtigen Handlung, lernt man Claire und ihre Familie schätzen und lieben.
 
Ganz besonders ist die Perspektive von Claire, in der man erlebt, in der man versucht mit seinem Schicksal umzugehen, gegen das Vergessen ankämpft. Und die große und schier unendliche Frustation erlebt, welche sich auftut, wenn die eigene Mündigkeit abhanden kommt. Claire ist nämlich durchweg eine so strahlende und lebensbejahende Persönlichkeit, dass diese Tragik in der Geschichte so schwer zum Tragen kommt.
 
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Ein wichtiges und sehr kreatives Schlüsselelement, für die Wirkung und die Figuren, wird das Erinnerungsbuch. Claire bekommt dieses Buch von Greg, ihrem Ehemann, geschenkt. Eigentlich soll dieses Buch Claire dazu dienen, wichtige Erinnerungen für sich festzuhalten. Doch die kindliche Naivität von Claires jüngster Tochter schmeißt dieses Vorhaben um. Kurzerhand wird dieses Buch ein Familienprojekt. Das sind die Möglichkeiten für den Leser in die kostbarsten Erinnerungen der anderen Familienmitglieder, von Ruth, Caitlin oder Greg, zu schlüpfen. Und wenn in diesem Buch geschrieben oder gelesen wird, sind die Erinnerungen und das häppchenweise Verlieren von Claire ganz nah. Das spürt man. Diese Szenen sind so berührend und beeindruckend. Es ist ein wundervoller Umgang sich mit diesem Prozess des Verlustes auseinander zu setzen.
 
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Neben all dem Herzschmerz, der ja wirklich vorprogrammiert ist, sind da noch diese feinen komplexen Familienirrungen und –wirrungen, die auch sehr gefühlsbetont und nicht weniger authentisch beschrieben sind. Das alles passiert, ohne dass es zu kitschig wird.
 
Gerade bei so ausweglosen Erkrankungen, wo einfach kein Happy End möglich ist, ist es auch schwierig den richtigen Ton zu finden. Nicht zu kreativ in den sentimentalen und stillen Szenen zu werden. Denn wie endet man so ein Buch? Rowan Coleman hat das mit viel Seele beschrieben und den richtigen Mittelweg gefunden.

Fazit

Tenthousand tears falling. Punkt. Ich habe schon lange nicht mehr so viel bei einem Buch geweint. Vor Freude, vor Wehmut, vor Trauer. Einfach unvergesslich. Da ist der Name Programm. Ich kann selbst jetzt, nachdem ich das Buch schon eine Weile lang ausgelesen hab, ein sanftes Echo der Erinnerungen von Claire, Ruth, Caitlin und Greg hören. Dieses Buch ist ein kleiner Schatz, den man verschenken, immer wieder lesen und genießen sollte. Nie war die Botschaft, dass Liebe und Familie stets da sind, schöner und tröstlicher, wie diese warme Umarmung, verpackt zwischen Seiten und Zeilen.

Habt ihr auch schon Romane zu Alzheimer gelesen? Inwieweit findet ihr die Darstellung authentisch?

 
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5 Gedanken zu „Einfach unvergesslich ─ Rowan Coleman

  1. Hallo liebe Sonja,

    Danke! Ich kann es dir wirklich nur wärmstens empfehlen! Ein Must-Read, wer auf gefühlvolle Romane steht! 🙂 Ich hoffe, du kannst es bald wieder von deiner Wunschliste streichen 😉

    Ganz liebe Grüße
    Rebecca

  2. Hallo Rebecca,
    so eine wunderschöne Rezension zu diesem großartigen Buch, das auch mir noch ewig in Erinnerung bleiben wird.
    Wahnsinn! Hätte ich es nicht schon gehört, hättest Du mich direkt damit überzeugt 🙂
    Liebe Grüße
    Ela

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