Rezension | Firstborn | www.goldblatt-blog.de

Firstborn – Der Gejagte ─ Filip Alexanderson

Jonas leidet an unerträglichen Kopfschmerzen, schon seit er denken kann. Als er wegen Geldmangel auf einer Baustelle anfängt zu arbeiten, passiert ein Unfall. Eigentlich müsste er tot sein. Doch stattdessen wacht er im Krankenhaus auf und in seinem Kopf wird eine Kapsel entdeckt. Nachdem diese entfernt wird, geht es ihm schlagartig besser. Damit kommen auch aber andere Veränderungen, an die er sich anfangs nur schwer gewöhnen mag. Auf der Suche nach Antworten, weckt er schlafende Hunde. Und plötzlich wird er nicht nur von mysteriösen Menschen, sondern auch von der Regierung gejagt.

Meinung

Ich habe mich unglaublich auf diesen deklarierten Thriller Firstborn – Der Gejagte von Filip Alexanderson gefreut. Der Klappentext klingt super interessant und spannend. Und seht euch das Cover bzw. die Taschenbuchgestaltung an. Das macht was her. Passt schon von den kühlen Farben her in die skandinavischen Breitengrade. Alles worauf ich mich gefreut habe, war eine spannende Geschichte. Etwas Abwechslung zwischen all meiner anderen Lektüre.
 
Und heraus kam eigentlich ziemlich lange viel heiße Luft um Nichts. Das hat angefangen, dass dieses Buch nur so vor Ortsangaben und –namen strotzt. Die stören oftmals den Lesefluss, wenn man, wie ich, zum großen Teil einfach nicht weiß, wie die Sachen ausgesprochen werden, noch eine Ahnung haben, wie diese Örtlichkeiten aussehen. Sie sind zuhauf da, aber überflüssig. Der Part in der Geschichte ist keine Fantasy, was will ich mir also eine zauberhaftes Stockholm zusammen fantasieren?

Der Regen schlug ihm ins Gesicht, und die kalte Luft brannte in seiner Lunge. Freiheit pulsierte durch seine Blutbahn. Er war glücklich und hatte Todesangst zugleich. ─ S. 57
 
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Apropos Fantasie. Das bringt mich zu der Frage, warum man dieses Buch als Thriller deklariert. Denn ich empfinde dieses Buch nicht als Thriller. Es hat ansatzweise Phasen und Elemente davon, aber das war es schon. Allenfalls geht es als Science-Fiction-Roman mit Fantasy-Elementen durch. Die typische Spannung, eine Hetzjagd unter Druck, die man sich durch den Zusatz Der Gejagte erhofft, bleibt aus. Locker 300 von 448 Seiten lang. Die Geschichte ist für mich einfach nur dahin gedröppelt, ohne dass ich eine Spannung oder irgendetwas emotionales verbuchen konnte. Manchmal liegt es auch an den Übersetzungen. Sicher. Aber ich werde jetzt nicht auf die Schnelle Schwedisch lernen können, um das zu überprüfen. Also bleibt mir nur die deutsche Fassung und Umsetzung, und die hat den Zusatz „Thriller“ nicht verdient. Punkt.
 
Wem das als Leser nicht genug Abschreckung ist, der kann dann noch weiterlesen, wird aber mit jeder Seite nicht wirklich schlauer. Denn der Schreib- und Erzählstil von Alexanderson ist fürchterlich schwammig, wirr und durch die gefühlt zigtausend Protagonisten in der Handlung einfach nur chaotisch. Die Kapitel sind zwar kurz und knackig, aber das ist vor allem zu Beginn ein großes Problem. Denn nach jedem Kapitel wechselt Alexanderson die Perspektive entweder zu unserem „Helden“ Jonas oder zu „Sozialarbeiterin“ Eldh. Das mag für ein gewisses Erzähltempo und schnellen Szenenwechsel sprechen, allerdings bleibt damit das Eindringen in die Charaktere aus.

Bei beiden, Jonas oder Eldh, kann ich mich kaum entscheiden, wer fürchterlicher skizziert worden ist. Denn beide haben ihr privates Päckchen zu schleppen, welches ihren Charakter, ihre Handlungen und ihre Sprache beeinflussen soll. Aber das kommt nicht durch. Bei beiden habe ich keinen Grundcharakter ausmachen können, der sich nicht wie ein Fähnchen im Wind dreht. Ich vermute, dass es auch daran liegt, dass es zu Beginn schwierig ist eine Verbindung zu den Protagonisten aufzubauen. Die beiden Charaktere wirken auf mich so unstet, so blass, so wenig authentisch, dass es auch Nebenfiguren sein könnten. Manche Gefühlsregung, die wohl angeschlagen werden sollte, hat mich kalt gelassen. Die Nebenfiguren kann ich nicht weiter „degradieren“, deswegen bleiben sie einfach mal Nebenfiguren. Aber deren Persönlichkeiten wirken nicht wesentlich tiefer oder besser umschrieben. Stattdessen wartet der Autor mit einer Unmenge an Nebenfiguren auf, dass es unübersichtlich und schwierig zu verfolgen ist.

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Und sorry, es wird nicht besser. Von der Struktur der Geschichte möchte ich eigentlich gar nicht anfangen. Denn nackt und nüchtern betrachtet, hat die Grundidee des Autors unfassbares Potential. Es ist an manchen Stellen erschreckend originell und erfrischend. Dass es das nicht schon eher auf dem Markt gab oder mit mehr Aufmerksamkeit umgesetzt wurde… Respekt. Und am Ende wirkt alles recht schlüssig und in sich gebunden. Überraschenderweise.

Aber der Weg dorthin ist so holperig und schwer. Diese Parallelgesellschaft, mit all den „Außerhalben“, „Reinblütigen“ und „Verborgenen“ ist eigentlich viel zu komplex, um es in nur in 448 Seiten zu packen. Und doch hat man es hier geschafft, das Unwichtige ausführlich auszuarbeiten, und Wichtiges unter den Teppich zu kehren. Ein Paradoxon per excellence! Ebenso paradox, die Nähe zur Realität, die mit absurd unglaubwürdigen Szenen gespickt ist. Selbst unter Verwendung von Fantasyelementen. Also irgendwo hört der Spaß auf. Deswegen läuft man als Leser mit dem fettesten Fragezeichen ever durch den Roman und wird erst über der Hälfte (bei mir war es nach Zweidrittel des Buches!) langsam mit der Geschichte warm. Aus Erfahrung kann ich sagen, das ist zu lang. Das Tempo kann nicht erst im letzten Drittel angehoben werden. Und was danach kam ist kein Juwel, keine Besonderheit, keine Rechtfertigung und Erklärung für so viel Langatmigkeit und Ödnis!

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Ich möchte eigentlich von den Dächern schreien, wie sehr ich mir die Lesezeit zurück wünsche, die ich hier investiert habe. So lange hab ich selten zum Lesen eines Buches gebraucht. Das ist schade, weil ich das Besondere in der Geschichte sehe und daran glaube, aber in dieser Umsetzung hat es mich enttäuscht. Allein die Idee der Handlung hat mich davon abgehalten nur einen Stern zu vergeben. Es war absolut nicht das, was ich erwartet und erhofft habe. Und aus diesem Grund mache ich erstmal einen Bogen um skandinavische „Thriller“ bzw. diesem Autoren. Over and out.

Fazit 

Ich habe mich, warum auch immer, mit diesem Buch unglaublich schwer getan. Klar, dass ich nicht warm wurde mit den Charakteren ist eine Sache, dass ich die Geschichte an manchen Stellen zu Beginn so absurd unglaubwürdig fand, hat es selbst später nicht mehr wirklich rausreißen können. Und diese schrecklich lange Entwicklungszeit mag ich mir einfach nicht mehr geben. Wenn ich nach über 200 Seiten keinen Draht zu den Personen oder der Geschichte selbst finde, ist mir das einfach zu sehr eine Zeitverschwendung. Vielleicht war es falsches Timing. Ich weiß es nicht. Aber ich kann das Buch jetzt leider nicht wirklich empfehlen. Außer denjenigen, die häufiger und gerne Sci-Fi lesen, wirre Erzählstile mögen und schon häufiger in den nordischen Breitengraden waren.

Hattet ihr auch schon mal so einen Fehlgriff?  Wie geht ihr damit um?

 
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5 Gedanken zu “Firstborn – Der Gejagte ─ Filip Alexanderson

  1. Hallo 🙂

    Ich bin gerade so froh das ich deine Rezi gelesen habe.Ich dachte nämlich schon ich stehe ganz allein mit meiner Meinung zu dem Buch da. Ich fand es genauso schlecht 🙂

    Wie ich damit umgehe; ich kaufe den Folgeband nicht mehr und bringe das in die öffentliche Bücherei oder stelle es in eine Buchbox in der sich jeder Bücher nehmen darf xD

    liebe Grüße Lilly

  2. Hallo Lilly!

    Als ich die Rezension geschrieben hab, bin ich auch auf der Suche nach Leuten gewesen, die es ähnlich empfunden haben. Leider ist da die Auswahl nicht so groß.
    Deswegen – Danke! Wenigstens eine Person mehr, die es ähnlich sieht^^
    Manchmal fragt man sich ja dann wirklich, was mit einem nicht stimmt, wenn alle anderen das Buch mögen. 😉

    Danke für dein Kommentar und deinen Besuch! ♥

    Allerliebste Grüße
    Rebecca

  3. Aufgrund des Covers habe ich auf deine Rezi geklickt, denn das sprach mich sofort an. Nun bin ich mir aber mehr als unsicher ob ich es überhaupt noch lesen mag. Dieses Jahr habe ich mich begonnen mehr für Sci-Fi zu interessieren & es darf auch gerne absurd, wirr sein ~ aber bitte nicht in einem Thriller!

    Liebe Grüße
    Janna

    1. Ich hab letztens nochmal eine andere Rezension von Anna Salvatore gelesen – hier mal der Link: http://annasalvatoresbuchblog.blogspot.de/2016/12/abbruch-bericht-firstborn-der-gejagte.html

      Sie hat das Buch sogar abgebrochen. Also, es ist natürlich schade, wenn das Buch so großartig ausschaut, aber der Inhalt so schwach ist.
      Ich bin damals auch wegen des Covers neugierig geworden. Der Klappentext klingt auch interessant. Aber der Rest… naja. Du hast die Rezension ja gelesen.^^°

      Liebe Grüße
      Rebecca

      1. Ich wird mir gleich auch mal die andere Rezi durchlesen, aber mein Interesse ist bereits mehr als gesunken!
        Wie gesagt, abgedrehtes & Co. mag ich wirklich gern, aber ich finde im Genre Krimi|Thriller passt dies nur bedingt! Und wenn ich einen Thriller lese, will ich kein Sci-Fi … aber mein Anspruch in diesem Genre ist auch (villt manchmal zu) hoch, da es meine favorisierte Leserichtung ist!
        Hast du „DNA“ schon gelesen? Rezi steht zwar noch aus, kann dir aber sagen: mein Thriller-Highlight dieses Jahr. Die Charakterskizzierung ein wenig zu detailliert, aber das ‚Gesamtpaket‘ stimmt absolut!

        Liebe Grüße (=

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