Floating City | Sudhir Venkatesh

Floating City ─ Sudhir Venkatesh

Hier handelt es sich um ein Buch, welches die Stadt New York und ihre Bevölkerungsschichten genauer unter die Lupe nimmt. Sudhir Venkatesh taucht in die Leben und Geschichten verschiedener New Yorker ein.
Da gibt es zum Bespiel Manjun, der einen kleinen Pornoladen betreibt und im Hinterzimmer Prostituierten die Möglichkeit gibt, sich dort auszuruhen oder mit ihren Kunden dort zu verbleiben. Dann gibt es Shine, der erst mit Crack dealt, aber mit dem Wandel in der Stadt klar kommen muss, und schließlich sein Angebot auf Kokain auslegt, weil das die „weißen Kunden“ kaufen. Oder Angela, eine Prostituierte. Die Sudhir in Manjuns Laden kennen lernt, ihm die Möglichkeit gibt, mit mehreren Prostituierten zu sprechen. Später muss auch Angela aufgrund der Entwicklungen der Stadt ihr Geschäft umstruktuieren.

Meinung

Das Buch Floating City ist ein Bericht über 306 Seiten gestreckt. Sudhir Venkatesh zieht mit seiner Frau von Chicago nach New York, um eine Stelle an der Columbia anzunehmen. Sein Ziel ist es diesmal die Entwicklung dieser riesigen Metropole und seiner Bevölkerung einzufangen und seine soziologische Arbeit einer breiten Masse zugänglich zu machen.

Floating City | Sudhir Venkatesh

 

Puh. Ich muss zugeben, dass ich hin und wieder meine Problemchen mit dem Buch hatte. Gerade zu Anfang, die ersten beiden Kapitel… Das war schwierig. Als Leser plumpst man im 1. Kapitel einfach so in die Szene und weiß erstmal nicht wo vorne und hinten ist. Im 2. Kapitel dagegen erläutert Sudhir sehr viel. Wenn man selbst Soziologie nie studiert hat, ist das Ganze etwas trocken. Auch wenn man spürbar die Bemühungen entdeckt, den Leser diese Kost schmackhaft und verdaulich zu verkaufen. Dass dieses Buch aber auch ein einziger Bericht ist, fällt an manchen Stellen gar nicht so auf. Was mich persönlich überrascht, aber auch ehrlich gesagt, sehr gefreut hat. Dadurch lässt es sich nämlich wesentlich besser in das Geschehen, in das Buch eintauchen und die Schilderungen kommen atmosphärisch deutlich näher an den Leser heran. Was bei mir dann oftmals eine Sogwirkung beim Lesen erzielt und ich den Inhalt wesentlich schneller, einfach und besser aufnehmen und verarbeiten kann.

 

Floating City | Sudhir Venkatesh

 

Was besonders auffällt, ist dass ab Kapitel 3 alles sehr viel informativer und interessanter wird. Sudhir erzählt sehr spannend und schreibt bei so einigen Passagen, als wären die Momente Szenen aus einem Roman. Nochmal zum Verständnis: Dieses Buch ist kein Roman, keine Fiktion. Der Autor reflektiert tatsächliche Gespräche, fängt Atmosphären, Stimmungen, Blicke und Mimiken ein. Das war bei mir der ausschlaggebende Grund, dieses Buch trotzdem weiter zu lesen. Denn obwohl ich nach dem zweiten Kapitel besser im Buch verweilen konnte, las es sich noch immer eher schleppend und meine Motivation schwand zunehmend.

Floating City | Sudhir Venkatesh

 

Aber dank diesem kleinen Detail, diesem Dreher, gab ich dem Buch noch eine Chance, und es hat sich gelohnt. Ab diesem Punkt beschreibt der Autor mehr Eindrücke zu den einzelnen Personen und deren Lebenswege. Das fesselt mehr. Das hat mich mehr gefesselt. Denn manches klang so absurd. So tragisch. Ich musste mir hin und wieder aus dem Gedächtnis rufen, dass das wahre Schicksale waren. Das ist eine Studie. Darin sind wahre Erlebnisse dokumentiert! Natürlich unter dem Mantel der Anonymität für die realen Personen… aber das ist manchmal so krass!

Der Rest des Buches ist ansonsten sehr zu empfehlen, wenn man sich für New York und solche Strukturen innerhalb der Gesellschaft interessiert. Wenn man erstmal den Anfang, bzw in meinem Fall, die ersten beiden Kapitel überstanden hat, läuft es immer besser und es wird immer interessanter und vielschichtiger in den Erlebnissen und Resümees.


Fazit

Floating City von Sudhir Venkatesh ist ein toller und sehr informativer Bericht, der sich manchmal sogar wie ein Roman lesen lässt. Er regt zum Nachdenken an und ist jedem New Yorker Fan, der sich auch für die Einwohner interessiert, sehr zu empfehlen. Ich denke, nach diesem Buch sieht man New York in einem ganz anderen Licht.

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