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Mein Herz und andere schwarze Löcher ─ Jasmine Warga

In dem Buch Mein Herz und andere schwarze Löcher von Jasmine Warga geht es um die türkischstämmige Aysel. Aysel ist gerade einmal 16 Jahre alt und leidet unter Depressionen. Sie wird von ihren Schulkameraden gemieden, ihre Familie scheint auch nicht an ihr interessiert zu sein und vor allem hat Aysel Angst davor wie ihr Vater zu sein oder zu werden. All diese Sachen bestärken Aysel in ihrem Wunsch ihrem Leben ein Ende zu setzen. Auf einer Internetseite antwortet sie schließlich auf einen Post von Roman. Die beiden treffen sich. Beide könnten kaum gegensätzlicher sein. Er der ehemalige Basketballspieler und Liebling aller in der Highschool und sie das unscheinbare, traurige Mädchen, was unter dem Handeln ihres Vaters leiden muss und von ihren Schulkameraden schief angesehen wird. Die beiden treffen sich trotzdem und entwickeln eine zunächst freundschaftliche Beziehung. Ohne es bewusst zu merken verlieben sich die beiden und müssen sich die Frage stellen, ob sie noch immer gemeinsam in den Tod wollen oder sich doch für das Leben entscheiden.

Meinung

Mein Herz und andere schwarze Löcher von Jasmine Warga gliedert sich in grob drei Abschnitte.

Im ersten lernen wir Aysel und Roman kennen, erzählt aus der Sicht von Aysel. Im zweiten Drittel erfahren wir von den Hintergründen der beiden und erleben mit, wie sich eine Bindung zwischen den beiden entwickelt. Und im letzten Drittel kommt die Wendung von Aysel, sie beginnt an ihrem Plan Selbstmord zu begehen zu zweifeln und um eine Zukunft zu kämpfen.

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Das Thema was in dem Buch angeschnitten wird könnte kaum sensibler sein. Ein Mädchen, welches schon seit langer Zeit mit dieser inneren Traurigkeit hadert. Sich von allem verurteilt und gemieden fühlt. Selbst von ihrer eigenen Familie zieht sie sich dermaßen zurück und sieht viele Dinge ganz anders als sie gemeint sind. Dieses Verhalten finde ich sehr authentisch, aber mit einem besonderen Feingefühl beschrieben, da eine Depression etwas sehr eigenes ist und viele Betroffene in ihrer eigenen Traurigkeit und auch Welt gefangen sind, dass es schwierig ist auch positive Erlebnisse oder Gesten richtig zu deuten. Das hat die Autorin sehr gut eingefangen und wiedergegeben.

Auch die Folge, dass Menschen Selbstmord begehen möchten, finde ich gut wiedergegeben. Die unterschiedlichen Menschen und Geschichten, die zu so einem Schritt führen, werden hier angeschnitten. So sieht man in Roman einen ehemals lebensfrohen Kerl, der durch ein Ereignis vor einem Jahr ein so schweres Schuldgefühl mit sich trägt, dass er selbst durch anfängliche Hilfe diese nicht abschütteln kann.  Er ist so anders als Aysel, dass man sich manchmal fragt, warum sie überhaupt Zeit miteinander verbringen. Doch wo es anfänglich scheint, dass es nur um diesen Pakt geht, entwickelt sich eine gegenseitige Zuneigung.

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Der jeweils andere sieht den anderen in einem ganz neuen und besonderen Licht. Mich hat Mein Herz und andere schwarze Löcher vom ersten Moment an gepackt. Aysel hat eine Art an sich, die ich bei einer weiblichen Protagonisten so noch nicht erlebt habe. Sie ist sehr direkt und auch irgendwie trotzig. Und doch dabei sehr sensibel. Das gefällt mir. Während der Geschichte erlebt Aysel plötzlich Momente und Gefühle, die sie sich schon fast verbietet, damit sie vom eigentlichen Plan nicht abweicht. Und als Leser erlebt man aus der Sicht von Aysel, wie sich ihre Denkweise ändert, während die Tage verrinnen und der „Stichtag“ näher rückt.

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Der Schreibstil und die Dialoge von Jasmine Warga werden gezielt und eingesetzt. Hier wird deutlich, dass die Autorin ein Bewusstsein schaffen möchte. Und dennoch sind sie sehr glaubwürdig, wirken nicht gewollt oder in eine Schublade zu dem Thema gezwängt. Sie wirken dagegegen sehr natürlich und unverkrampft. Es lässt sich gut und leicht lesen.

Nach dem letzten Kapitel von Mein Herz und andere schwarze Löcher folgt eine Anmerkung der Autorin und man versteht, wie manche Sätze zustande kamen und wie manch Gefühl eingefangen worden ist. Schon bereits beim Lesen und wie ich oben schon erwähnte, sind hinter den Dialogen so viele ehrliche Gefühle und eine Authentizität, die erahnen lässt, dass sich die Autorin sehr mit diesem Thema verbunden fühlt.


Fazit

Mein Herz und andere schwarze Löcher ist eine wunderbare Geschichte. Sie hat mich bewegt, aber nicht auf eine Art, die mich wie ein Schlosshund flennen lässt. Nachdem ich das Buch zugeschlagen hab musste ich noch etwas darüber nachdenken. Aber das war es schon. Es hat mich nicht emotional zerrissen, wie z. B. Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Ich hatte erst gedacht, dass ich mehr Taschentücher brauche, aber am Ende hatte ich nur kleine Tränen in den Augen.

Das ist eins der Bücher, wo ich definitiv weiß, dass ich das nochmal irgendwann lesen werde, wenn ich in der Stimmung bin. Wer eine spannende Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen sucht, ist hiermit vielleicht nicht besonders gut beraten. Viele finden vielleicht, dass das Buch vor sich hinplätschert. Wirklich viele „Eckszenen“ gibt auch nicht, die einen besonderen Wendepunkt beschreiben. Davon gibt es vielleicht insgesamt zwei oder drei. Denn ich finde, insgesamt ist es ein Buch, was in seiner Gesamtheit wirkt.


Weitere Rezensenten:

BücherKaffee | Brösels Bücherregal | Buchblog um die Ecke

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