Nur drei Worte | Becky Albertalli | www.goldblatt-blog.de

Nur drei Worte ─ Becky Albertalli

Simon ist 17 und homosexuell. Das weiß aber keiner. Außer Blue. Problem: Er kennt Blue nicht. Also nicht richtig. Denn Blue ist eine ihm unbekannte Person, mit der er nur E-Mails austauscht. Ihre Gemeinsamkeit: Blue ist auch homosexuell und die beste Anlaufstelle, sich über Probleme, Eigenheiten und andere Gedanken auszutauschen. Aus einer anfänglichen E-Mail-Freundschaft entwickelt sich schnell etwas mehr. Gefühle tauchen auf. Und Simon will aufs Ganze gehen. Als dann jemand aus der Schule die Mails in die Finger bekommt und Simon damit erpresst, steht alles auf der Kippe.

Meinung

Becky Albertalli hat mit Nur drei Worte so ein schönes, charmantes und buntes Jugendbuch geschaffen. Es schreit an allen Ecken nach Liebe, Freundschaft und vor allem Toleranz und Akzeptanz. Doch ich sollte mit dem Schreibstil anfangen. Eigentlich kann ich das kaum beschreiben, wie wichtig und richtig sich jedes Wort anfühlt, welches die Autorin einsetzt. Da haben Lektor und Autorin einfach Hand in Hand gearbeitet und ein Zuckerstück für dieses Genre geschaffen. Der Schreibstil wirkt nämlich so unverbraucht, wenig „beschnitten“ oder gar künstlich. Sowas kann man auch nicht erzwingen. Das fließt einfach. Die Kapitel sind recht knackig, ohne etwas Wichtiges auszulassen und die E-Mails zwischen Blue und Simon lockern alles nochmal schön auf.

„Ich möchte deine Hand halten.“, sage ich leise. Weil wir in der Öffentlichkeit sind. Weil ich nicht weiß, ob er bereit ist, sich vor dem ganzen Universum zu outen. „Dann halt sie doch“, sagt er. Und das tue ich. ─ S. 181 (eBook)

Es fällt ja auf, dass diese Art von Geschichten langsam einen Fuß in die Tür des Buchmarkts bekommen. Gut so! Das macht die Vielfalt noch bunter. Ich finde, wer vorher noch kein Buch im m/m-Romance-Bereich gelesen hat, der hat hiermit einen super Einstieg. Auf den ersten Blick auf eine junge Zielgruppe ausgelegt (17-jähriger Junge, Highschool, Pubertät, erste Liebe etc.), spielt das bald schon keine Rolle mehr. Denn Nur drei Worte bietet mit seinem Inhalt viel mehr. Sexy Szenen werden auch nicht ausgelassen, winken aber nicht mit dem Zaunpfahl. Viel wichtiger und dominanter sind die Szenen, welche die Gefühle von Simon, einer ersten Liebe, mit dem natürlichen körperlichen Verlangen, dieser nahe zu sein, beschreiben. Oder die freundschaftlichen Veränderungen im Laufe der Zeit, wenn Personen dazukommen und gehen. Und dann gibt es auch noch diese feinen Stimmungen der Unsicherheit. Man ist jung, man versucht sich selbst zu finden, die Identität zu akzeptieren und auch vor anderen so zu leben. Das ist nicht immer leicht. Becky Albertalli ist es aber gelungen, das hervorragend wiederzugeben.
 
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Denn die Charaktere leben. Sie sind bunt und vielfältig. Sie gehen in die Tiefe. Das alles erlebt man aus der Sicht von Simon, der Hauptfigur, oder aber durch Beobachtungen als Leser, die man in den Szenen oder in den Dialogen macht. Ich könnte jetzt aufzählen, was und wen ich alles total toll in dem Buch fand. Aber dann würde das hier kein Ende nehmen. Hervorheben möchte ich aber noch den unglaublichen Humor. Ich denke, ich habe ungefähr 98 % der Zeit einfach nur geschmunzelt, gegrinst, gelacht oder wie ein Honigkuchenpferd mit gezappelt und gehofft. Ich bin in der Rolle von Simon total aufgegangen und war verliebt, verunsichert und mal wütend. Die Art von ihm, zynisch, hoffnungsvoll romantisch und dann wieder sehr nachdenklich und philosophisch zu sein, macht ihn als Person unfassbar sympathisch und greifbar.

Was mich am Schluss und zwischendrin beschäftigt hat, war, ob das ganze Buch vielleicht etwas zu tolerant und auch irgendwie zu positiv gehalten war. Denn obwohl es ein paar „schwierige“ Situationen für Simon gibt, löst sich das alles sehr schnell wieder in Wohlgefallen auf. Manchmal wirkt es fast so, als würde das Simon nicht richtig erreichen oder beschäftigen. Wovon ich in manchen Situationen einfach ausgegangen wäre. Besonders wenn das Coming-Out noch aussteht. Weswegen das aber nicht weiter behandelt wird, liegt, denke ich, einfach daran, dass die Liebesgeschichte um Blue und Simon im Vordergrund steht und alles andere eher sekundär behandelt wird. Von daher kann ich damit getrost leben und es ändert nichts an meiner Begeisterung für das Buch.

Fazit

Nur drei Worte sprüht nur so vor Witz, Liebe, Leben und die Freundschaft. Von der ersten bis zur letzten Seite kommt man nicht aus dem Dauergrinsen heraus, fühlt so sehr mit jedem einzelnen Charakter, die in ihrer Individualität glänzen, im Buch mit. Meiner Meinung nach ist es ein so ein positives, lebensfrohes und modernes Buch. Und diese Liebesgeschichte holt den Frühling in jede Jahreszeit. Ich kann und möchte es jedem empfehlen, andrehen, dazu nötigen es zu lesen!

Habt ihr schon Bücher im Bereich Gay-Romance gelesen?

 
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4 Gedanken zu “Nur drei Worte ─ Becky Albertalli

  1. Liebe Rebecca,

    hiermit verkünde ich dir feierlich, dass deine Mission geglückt ist: du hast mir das Buch empfohlen, es mir angedreht und mich dazu genötigt, es vor 5 Minuten in meinen Warenkorb wandern zu lassen. Herzlichen Glückwunsch! 😀

    Ich bin richtig gespannt auf die Geschichte und werde dich definitiv wissen lassen, wie ich diese Nötigung verkraftet habe. 😉

    Liebe Grüße
    Maike

  2. Hallo Maike,

    jetzt musste ich echt lachen! 😀 Juuhu, es ist mir geglückt jemanden zum Buchkauf zu nötigen! Lifegoal!
    Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie dir das Buch gefallen wird. Ich hoffe auf unendliche Begeisterung! 🙂

    Liebe Grüße
    Rebecca

  3. Bonjour Madame,
    hach ich liebe deine wunderschöne Rezension. Wirklich ich mag es wie du deinen Rezensionen gestaltest! 😀
    Deswegen und weil sie gut geschrieben ist, habe ich deine Rezension unter meiner verlinkt. :* Ich hoffe, dass ist okay für dich. 🙂 Ich mochte das Buch auch sehr gerne, auch wenn es in meinen Augen nicht perfekt war, war es trotzdem gut. 🙂

    Liebst, Lotta

  4. Uh uh, ein Ritterschlag von Lotta! ♥
    Jetzt bin ich stolz, peinlich berührt und freudig und kribbelig und wieder peinlich berührt. x'D
    Ich versuche mit meinem Gewissen dieses Kompliment in seiner Würde und Ehre auf- und anzunehmen.

    Und ich hab btw kein Problem mit Verlinkungen zu Rezensionen/Beiträgen. Ich verlinke ja auch häufig zu anderen Bloggern. Sollte eh viel häufiger untereinander stattfinden. 🙂

    Ich habe deine Rezension schon gelesen und bin froh, dass es dir zumindest gefallen hat! Das ist ja schon was. Einige Schwächen hat es, aber Unperfektion macht sympathisch. In diesem Fall stimmt das irgendwie sogar! 😉

    Liebste Grüße
    Rebecca

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