Runa | Vera Buck | www.goldblatt-blog.de

Runa ─ Vera Buck

1884. Paris. Der junge Medizinstudent Jori Hell aus der Schweiz lebt seit einigen Jahren nun in Paris, arbeitet und lernt an der berühmten Salpêtrière-Klink. Dort führt der bekannte Neurologe Dr. Charcot Experimente und Behandlungen an hysterischen Frauen durch. Seine Vorlesungen und Vorführungen sind rege besucht und auch Jori zählt zu den Besuchern seiner „Shows“. Eines Tages kommt ein junges Mädchen, Runa, keine zehn Jahre alt, in Charcots Vorführung und erstaunt mit ihrer Präsenz und Resistenz gegen jegliche Versuche. Jori, der noch immer nicht seinen Doktor gemacht hat, stellt sich vor jedermann zur Verfügung, Runa zu operieren. Bisher hat noch niemand erfolgreich eine Hirn-OP durchführen und den Wahnsinn aus hysterischen Patientinnen fortschneiden können. Jori trotzt allen Zweiflern und bleibt bei seinem Entschluss. Doch er hat nicht mit Runa, ihrem Geheimnis und ihrem Wissen gerechnet. Runa kennt sein Geheimnis und hat mysteriöse Hinweise überall in der Stadt versteckt.

Meinung

Vera Buck hat mit Runa ein einzigartig atmosphärisches Buch geschrieben, welches einen sehr schönen Schreib- und Erzählungsstil bietet. Könnte man kaum etwas Angestaubteres als Medizingeschichte um 1900 als Setting und Vorlage der Geschichte nehmen, schafft es die Autorin den Leser mit Spannung und verquerer Neugierde an das Buch zu fesseln.
 
Die großen Doktoren und Personen, welche sich in der Geschichte wiederfinden, haben einst tatsächlich gelebt und in der Fachrichtung gearbeitet. Vera Buck schafft es, diesen Leuten nochmals Leben einzuhauchen und ihre Persönlichkeiten passend zur Geschichte in Szene zu setzen, damit man eine ordentliche Gänsehaut bekommt. Ein Kompliment an die umfassenden Recherchearbeiten, die im Vorfeld geleistet werden mussten, damit sich diese Geschichte in ihrer Wirkung entfalten kann.
 
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Jori Hell, junger Medizinstudent aus der Schweiz, ist der Protagonist der Geschichte, aus welcher der Leser hauptsächlich liest und die Geschichte erlebt. Dennoch wechselt die Perspektive auch zu anderen Personen, wie zum Beispiel den einstigen Inspektor Lecoq, der sich nun als Verbrecher durchschlägt oder einem jungen Messdiener bzw. Chorknaben mit dem Namen Maximé. All diese Personen sind durch die Geschehnisse in ihren Handlungen und Begegnungen miteinander verwoben, auch wenn das anfangs nicht so wirkt. Jeder Charakter im Buch schafft es mit seiner besonderen Art zu der Stimmung und Atmosphäre im Buch beizutragen und das ist ein großer und wichtiger Punkt.
 
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Die düstere, beklemmende Stimmung ist durchweg faszinierend. Sobald man sich auf das Buch einlässt, verschlingt dieses schraurige und auch schockierende Buch Seite um Seite. Runa, das kleine Mädchen, ist vom ersten Moment so anders und gruselig, dass man manchmal schon selbst Angst hat, weiterzulesen. Auch die Machenschaften und Therapien der Ärzte haben einen Hang dazu, mehr Gänsehaut als Hoffnung zu erwecken. Aber diese Beklemmung ist ein starker Charakterzug des Buchs. Als Leser kann man schlecht ahnen, was als nächstes passiert, man ist ein wenig verloren und tappt lange im Dunkeln.
 
Das Ende ist offen und spektakulär zugleich. Da lässt sich nicht viel mehr sagen, außer das dieses Debüt ein richtig richtig gutes war und viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt bekommt.

Fazit

Was ein Wahnsinn! Ich habe mit so etwas nicht gerechnet und es hat mich weggehauen! Runa ist ein Debütroman! Und er ist einfach extrem gut geschrieben, gut recherchiert, hat durchweg eine besondere und düstere Atmosphäre erschaffen…. Das hier war etwas Besonderes! Sowas habe ich in der Art noch nicht gelesen und es hat meinen Horizont erweitert. Ich will sowas lesen! Diese Mischung aus historischen, einst real existenten Personen, die in eine fiktive Geschichte eingewebt werden und so eine Stimmung wie hier erzeugen, finde ich einfach grandios! Das hier hat ungemeinen Unterhaltungswert und wird definitiv niemals aus meinem Regal ausziehen! Runa hat mich mehr als überzeugt! Manche Szenen waren echt schwierig zu lesen (aber eher wegen der bildhaften Schreibweise und damit schrägen Bildern in meinem Kopf), aber es lohnt sich!
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