Wo du auch bist | Fleur Smithwick | www.goldblatt-blog.de

Wo du auch bist ─ Fleur Smithwick

Das mit dem imaginären Freund geht vorbei. Sagen alle. Glauben alle. Und vielleicht geht er auch weg. Für eine gewisse Zeit. Und dann irgendwann… dann kommt er zurück. Weil es dir schlecht geht.
So in etwa läuft das auch bei Alice. Alice hatte als kleines Mädchen ihren Freund Sam, den nur sie sehen konnte. Dann war er eine sehr lange Zeit weg. Nachdem Alice aber mit ihrem besten Freund Rory und dessen Partner Daniel einen Autounfall hatte und Alice nach drei Wochen aus dem Koma erwacht, ist Sam zurück. Erwachsen ist er jetzt. Und er will sie beschützen. Als Alice sich in den Wochen darauf Jonathan annähert, sieht sich Sam in seiner Existenz bedroht. Denn beide wissen, dass Sam nur solange existiert, solange sich Alices Aufmerksamkeit auf ihn richtet.

Meinung

Die Autorin Fleur Smithwick hat mit Wo du auch bist einen spannenden, sehr mysteriösen und klugen Debütroman veröffentlicht, der von der ersten bis zur letzten Seite bannt.

Allein die Idee, dass der imaginäre Freund aus Kindertagen seinen Weg zurück findet, sogar anfängt sich langsam zu materialisieren, das aber niemand mitkriegt, ist mehr als spannend. Die Umsetzung ist der Autorin auf sehr subtile intelligente Art gelungen. Denn für den Leser ist es ein Tappen im Dunkeln. Man fragt sich während des Lesens so oft, was nun Realität ist, was Alice für einen Knacks abbekommen hat, dass das Gehirn ihr Sam als real vorgaukelt oder ob das Buch einen übersinnlichen Touch hat und hier eine Vorstellung von einer Person aus einer anderen Welt seinen Weg in die deine findet.
 
Wo du auch bist | Fleur Smithwick | www.goldblatt-blog.de
 
An sich ist der Schreibstil von der Autorin nichts besonders. Wozu man ihr aber definitiv gratulieren kann, ist die Art und Weise, wie sie die Geschichte geplant hat. Denn nach dem Autounfall passiert nicht viel um Alice. Klar, es gibt einige Wendungen, die besonders sind und Alice vor Herausforderungen stellt, aber hier ist der Fokus definitiv auf Alice und ihre Psyche gelegt. Sie trauert, sie versucht sich einen neuen Platz in ihrer Welt zu schaffen, nachdem ihr bester Freund verstirbt und mit ihrer tendenziell schwierigen Familienkonstellation klar zu kommen.
 
Und weil man als Leser mitbekommt, wie schwierig Alice in die normale Welt zu passen scheint, desto eher glaubt man an eine merkwürdige Ausgeburt von ihrem Gehirn, um mit eben dieser Welt klar zu kommen. Ich kann an der Stelle nicht wirklich ins Detail gehen, weil es der Geschichte etwas vorweg nehmen würde. Ich kann also nur an dieser Stelle betonen, wie wichtig es ist, bis zu diesem Punkt zu kommen und dieses Unspektakuläre temporär zu akzeptieren.
 
Wo du auch bist | Fleur Smithwick | www.goldblatt-blog.de
 
Einzigartig und besonders beschreibt Smithwick auch die Beziehung und die Machtverhältnisse zwischen Sam und Alice im Verlauf der Geschichte. Und hier sitzt man permanent als Leser auf Messers Schneide. Man ist hin und hergerissen. Man merkt sehr früh, dass Sam eine sehr anstrengende, sehr naive und impulsive Seite hat, die Alice nicht immer Herr ist. Sam ist von Alice in seiner Existenz offensichtlich abhängig, das ist sich auch Alice bewusst und macht sie wiederum stärker. Zeitweise hat Sam auch eine sehr charmante und fürsorgliche Weise. Darüber hinaus wird einem aber auch sehr schnell klar, dass Alice sehr unsicher ist, ein geringes Selbstwertgefühl hat und das dies auch sehr viel mit ihrer Familie zusammenhängt.
 
Das Ende ist schließlich sehr spannend und bis zur allerletzten Seite kann man nur rätseln was oder wer Sam ist und woher er kommt. Das Ende von Wo du auch bist ist grandios, hat mich auf ganzer Linie überzeugt, und lässt den Leser staunen. Das sollte man wirklich selbst gelesen haben.

Fazit

Ich liebe es. Wo du auch bist hat mich so gut unterhalten! Ich hätte niemals gedacht, dass es einen dermaßen mitreißt, durchweg zum Grübeln bringt und diese unterschwellige Nuance von Thriller/Mystery-Roman hat. Das hat mir richtig gut gefallen. Alice als Eigenbrötlerin, die so eigen ist, dass ich sie kaum beschreiben kann, denn ich will nicht zu viel verraten. Auch jeder andere Protagonist in diesem Buch muss selbst erkundet werden. Die Geschichte ist so schön spekulativ in seiner Art, in den Szenen und in den Personen… und es hallt so lange nach, wenn man es beendet hat. Ich kann es nur empfehlen, wenn man gerne Protagonisten und deren Psyche beim Lesen analysiert und dieses Fünkchen Unsicherheit erträgt.
Weitere Rezensenten:
 

Weiterlesen...

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterPin on PinterestEmail this to someone

3 Gedanken zu “Wo du auch bist ─ Fleur Smithwick

  1. Huhu Tanja! 🙂

    Ich denke, dass Buch ist leider mit nicht so viel Marketing verflucht^^°
    Dafür aber vielleicht für viele ein geheimer Schatz. Schau es dir in der Buchhandlung mal genauer an oder lies online in die Leseprobe rein.^^

    Liebste Grüße
    Rebecca

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.