Rezension | The Cage - Entführt | www.goldblatt-blog.de

The Cage | Entführt ─ Megan Sheperd

Allein und ohne Orientierung. Cora erwacht mit Kopfschmerzen und einem großen Fragezeichen. Wo ist sie? Wer hat sie entführt und an diesen Ort gebracht? Auf der Suche nach Antworten begegnet sie fünf weiteren Jugendlichen. Gemeinsam versuchen sie einen Fluchtweg zu finden. Bis sie schließlich auf ihre Entführer treffen und jegliche Aussicht auf Rückkehr zerschlagen wird.

Meinung

The Cage – Entführt von Megan Sheperd ist ein Sci-Fi-Roman, der eher auf die junge Zielgruppe ausgelegt ist.

Was bietet der Roman?

Als Leser schlüpfen wir in die Köpfe von fünf Jugendlichen, die sich in einem künstlich hergestellten Lebensraum wiederfinden. Fernab der Heimat, der Erde, sehen sie sich tatsächlich mit außerirdischen Lebewesen konfrontiert, die sie von der Erde entführt und letztendlich in diesem Biotop gefangen halten. Mit Spannung, überraschenden Wendungen und bunten Charakteren legt die Autorin einiges auf die Waagschale, die sich am Ende bezahlt machen. Das Buch ist ein wahrer Pageturner und lässt sich gut für zwischendurch, dank des sehr flüssigen Schreibstils und der etwas größeren Schriftart lesen.

Allerdings hat mich am meisten die Logik hinter der Geschichte und das Setting selbst fasziniert. Wenn man sich Gedanken darüber macht, dass hier schon einiges an Recherchearbeit zugrunde liegen muss, damit die Umgebung und deren physiologische Beschaffenheit gut beschrieben werden kann, ist das schlicht beeindruckend. Denn hier fußt manche Erklärung und Erläuterung nicht einfach nur auf Fantasie, derer man sich besonders in dem Setting und mit dem Plot bedienen darf. Diese Tatsache hat mich überrascht, mir aber auch etwas imponiert.

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Denn das beweist nur, mit viel Überlegung die Autorin an die Geschichte von The Cage ran gegangen ist. Und das erlebt man bei Büchern, die eher auf eine jüngere Zielgruppe ausgerichtet ist, auch nicht immer.

 

Anfangs hatte sein Gesicht so entrückt ausgesehen wie das eines Gottes oder eines Wesens aus ihren Träumen. Doch jetzt wusste sie, dass er ein ganz normales Geschöpf aus Fleisch und Blut war, das Dinge wie Schuld und Scham und das Bedürfnis nach Vergebung kannte. S. 380

 

Wie dröselt sich die Geschichte auf? Und was ist mit den Figuren des Romans?

Die Idee der Geschichte finde ich originell. Ein Zoo, der von Aliens betrieben wird und in dem man Menschen platziert. Denn in dem Biotop, dem künstlichen Lebensraum, finden sich unsere fünf Jugendliche ein. Sie erwachen an unterschiedlichen Punkten, treffen aufeinander und erkennen, dass ihre Welt endlich ist. Dass die Kulisse um sie herum echt wirkt, aber künstlich ist. Sie eingesperrt sind und dabei beobachtet werden. Und falls du jetzt an einen üblichen Zoo denkst, in dem man wenige Quadratmeter zum hin und her tigern hat, dann irrst du dich. Dieser Lebensraum ist sehr großzügig geschnitten. Es bietet den Jugendlichen genug Platz und die unterschiedlichsten Witterungen. Von einem Meer mit Sandstrand, einer Wüste ohne ein Fleckchen Grün, bis hin zu Gebirgsketten mit Schnee.

Zugegeben ich fand das Setting etwas schwierig vorstellbar, weil mir die Übergänge zu den jeweiligen Teilen der Welt gefehlt hat, aber irgendwann hatte ich eine ähnliche Map wie die Arena aus dem zweiten Panem-Teil vor Augen. Und dann ging das wieder.

Und schlussendlich gibt es eine kleine Stadt, in der sich unheimlicherweise ein Diner, ein Wohnhaus und verschiedene Läden befinden. Aber von ihrer Auswahl sind diese immer auf exakt sechs Personen ausgerichtet.

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Das fällt auch den Jugendlichen auf und sie kommen schnell dahinter, dass sie jeweils paarweise zusammengewürfelt wurden. Ergo, bei den Figuren gibt es jeweils drei Jungen und drei Mädchen. Wer jetzt aufgepasst hat, wird merken, dass ich die ganze Zeit nur von fünf Jugendlichen rede. Warum das so ist, kann ich leider nicht spoilerfrei erwähnen, weswegen ich hierüber schweigen werde. Sorry.

Aber wer nicht auf den Kopf gefallen ist, wird verstehen, warum jeweils passende Paare aus Männlein und Weiblein zusammengewürfelt und in diesen Lebensraum implementiert wurden. Und da fangen die ersten fundamentalen Ereignisse und Verhältnisse, die sehr schlau in die Geschichte eingelassen sind, an aufzutauchen.

Natürlich geht es hier unter anderem um Fortpflanzung. Was das den Kindred, wie sich die außerirdische Lebensform gegenüber den Jugendlichen nennt, tatsächlich, bis auf einige merkwürdige Sachen, bringt, ist mir immer noch nicht ganz klar. Was aber ganz klar ist und jedem Leser schnell wird, ist, dass die Verhaltensforschung ein ungemein großer Part darstellt. Wir haben fünf komplett unterschiedliche Charaktere, mit unterschiedlichen ethischen Herkünften und kulturellen Verhaltensweisen. Alle sind in einem noch jungen, aber fast erwachsenen Alter und sind in ihren Charakteren noch sehr formbar.

Natürlich haben wir da unsere Protagonistin Cora, die letztendlich den Löwenanteil der Geschichte ausmacht und ohne die, die Geschichte sicher schneller auserzählt wäre. Als Leser schlüpft man zuerst in Coras Kopf und wird mit ihr auf besondere Art als Person verknüpft. Später hingegen dürfen wir in weitere Figuren schlüpfen, dank dem altbewährten Perspektivwechsel. Aber zurück zu Cora. Sie hat eine außergewöhnliche Vergangenheit und genau das führt wohl zu den Handlungen, die das Buch so unterhaltsam macht. Und unterhaltsam ist hier nicht als negativ oder ironisch zu bewerten. Vielmehr ist Cora die Figur im Buch, die konstant eine Linie fährt. Nämlich nicht aufzugeben, der Wahrheit auf die Spur zu kommen und einen Ausweg, aus dieser mehr als unwürdigen und beengenden Situation, zu suchen. Sie ist das Mahnmal und das Gewissen, welches die anderen Figuren im Buch vergessen. Sogar schlecht reden.

 

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Die anderen fallen nämlich in ihren Persönlichkeiten nach und nach um, wie Dominosteine. Was wiederum sehr interessant beschrieben ist. Denn obwohl sich alle am Anfang einig sind und fliehen möchten, entwickeln sich nach und nach die Beziehungen zwischen den einzelnen Personen. Mal mehr oder weniger eng. Mal mehr oder weniger berechnend. Und natürlich, wie es halt in einer Gesellschaft passiert (sei die nun auf der Erde oder Millionen Lichtjahre entfernt), bilden sich Hierarchien. Es bildet sich irgendwie ein Gefüge aus einem Anführer und deren Gefolgschaft. Und wenn etwas nicht richtig läuft, wird gemeutert. Das alles wird auch in diesem Buch passieren. Gefühlt mehr als einmal. Und das ist so ein wunderbarer Spiegel, wie das Leben heute auf der Erde passiert, aber wie es auch immer schon lief. Auch in der Vergangenheit. Der Mensch kann nicht aus seiner Haut und das wird hier großartig verdeutlicht.

Megan Sheperd schafft es dem Leser Fragen zu stellen. Sei es was die Handlung dieser Geschichte, oder auch eben, und das finde ich noch wesentlich spannender, Beziehungs- und Gesellschaftshierarchien angeht.

Menschen sind nicht dafür gemacht, allein zu leben. Abseits der Gruppe fängt man irgendwann an, sich selbst zu verlieren. S. 234

So merkwürdig das klingt, in dem Moment, in dem man als Leser diese Entwicklungen mitverfolgt, entwickelt man sich zu einem Kindred. Denn die sehen den Menschen aus reinem Vergnügen und Interesse, dabei zu. Permanent werden diese Jugendlichen von den Kindred beobachtet. Und das wissen sie. Sie werden von ihnen untersucht, sie bekommen sogar eine 21-Tage-Regel. Diese gilt es zu befolgen, denn die Alternative ist alles andere als rosig.

Und zugegeben, ich finde so manche Beschreibung von den Kindred, was das Aussehen angeht und deren Verhalten und auch ihre Pläne mit den Menschen sehr schräg. Also, das ist rein subjektiv und ging vielleicht nur mir so, aber ich hatte manchmal echte Probleme mich nicht irgendwie unwohl zu fühlen. Vom Gefühl her. Also ich war manchmal an der Schwelle zur Übelkeit. Das klingt schon etwas krass, aber wie gesagt. Ich bin da vielleicht die Einzige. Ich hab in der Regel echt nichts dagegen. Aber mit der Atmosphäre in diesem Setting, zusammen mit Aliens, irgendwo in einem Raumschiff…. das war mir einfach etwas too much.

Wie der Klappentext nämlich schon ziemlich eindeutig verrät, kommen sich Cora und Cassian, der Wächter ihres Lebensraums näher. Nicht so nach Schema F, dass beide ihre Finger nicht voneinander lassen können von Sekunde 1 an. Sondern langsamer. Etwas undurchsichtiger, aber dennoch da. Und das fand ich nicht nur wegen dem interstellaren Sex-Ding (welchen es nicht in diesem Buch gibt… jedenfalls nicht mit Außerirdirschen) so. Es war mir unbschreiblich wie diese sture, klare Cora jemanden nach nur drei Wochen Gefangenschaft, so besonders die Chemie zwischen ihnen ist, dermaßen mag. Anziehend findet. Ich bin da vielleicht zu rational, aber ich musste permanent an das Stockholm-Syndrom denken. Vor allem machte es für mich keinen Sinn.

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Es ist eine komplett andere Spezies. Weswegen das Pheromon-Ding da nicht funktioniert. Und er hat sie entführt. Er drängt sie dazu, irgendwo im nirgendwo mit fremden Jugendlichen zu leben, weil sie Belustigung daran finden, Menschen zu beobachten und nachzuahmen. Zur Fortpflanzung und Kooperation zu nötigen und all den Kram. Das macht für mich keinen Sinn, wenn sie da eine Anziehung spürt. Auch wenn er sie favorisiert. Menschlicher behandelt. Es ist vielmehr grotesk. Und hat mich ernsthaft dezent genervt.

Generell hatte ich das Gefühl, dass gegen Ende die Geschichte zwar ordentlich an Drive gewonnen hat, aber irgendwie auch absurder wurde. Das Ende, was viele andere als richtig gut empfanden, weil es so überraschend war, hat mir hingegen echt nichts gegeben. So gut eine Sache bei dem Ende war und mich wirklich kalt erwischte, desto deutlicher und vorhersehbar wurde eine andere Sache. Ich ahnte sogar, was vorher die ganze Zeit ausblieb, was da noch folgt.

Und diese zwei krassen Medaillenseiten haben mir den Spaß genommen. Deswegen bleibe ich mit einem unwohligen und suspekten Gefühl zurück und bin mir, trotz der richtig guten Ansätze, nicht sicher, ob ich die Folgebände lesen möchte.


Fazit

Rundherum ist The Cage – Entführt von Megan Sheperd ein Pageturner. Es ist spannend, es ist gut erzählt und vor allem ist es ein gesellschaftlicher Spiegel in einem Jugendbuch. Klasse! Aber mit der Zeit bekam ich einen negativen Beigeschmack, was die Plotentwicklung anging und das Ende war auch nicht so der Bringer. Für Sci-Fi-Fantasy-Lieblinge ist das sicher ein gutes und unterhaltsames Buch, welches ich, trotz einiger Vorbehalte, anderen empfehlen kann.


Wie gefallen euch Sci-Fi-Romane oder Geschichten mit und um Aliens?

 

Weitere Rezensenten:

Stehlblüten | Tinkerreads | his and her books

 

 

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4 Gedanken zu “The Cage | Entführt ─ Megan Sheperd

    1. Hallo Yvonne!

      Es ist schön zu sehen, dass dich die Rezension so begeistern konnte, dass dich das Buch direkt so gejuckt hat und du direkt angefangen hast zu lesen. 🙂
      Das freut mich ungemein! Also lieben Dank für dein Feedback hier und bei Twitter!

      Allerliebste Grüße
      Rebecca

  1. Servus liebe Rebecca,
    wow, was eine ausführliche Rezension – ist bin beeindruckt, wie Du so viel erzählen kannst, ohne etwas Maßgebliches vom Inhalt zu verraten bzw. zu spiolern! Ich finde das manchmal echt schwer einzuschätzen, wie viel kann man erzählen und wo gibt man dann einen zu tiefen Einblick in die Story … nicht immer leicht, vor allem, wenn kleine Hinweise ausreichen um zu viel vom Plot zu verraten.

    Allerdings bin ich mir jetzt auch nicht sicher, ob ich das Buch lesen mag 😉 SciFi lese ich durchaus ganz gerne – siehe Red Rising ♥ und Illuminae oder These Broken Stars aber ich mochte zB Maze Runner GAR NICHT und dieses „5 Jugendliche in einer fremden Welt zusammengewürfelt“ … gibt mir leicht zu bedenken 😉 Aber ich hab es auch meine Geschenke-Liste gepackt, denn mir fallen gleich 2 Freunde ein, denen es gefallen wird.

    Apropos gefallen, da fällt mir auch eine Frage ein – hast Du eigentlich Six of Crows gelesen?

    Liebe Grüße & eine erfolgreiche Woche (ich verrate Dir auch nicht, dass ich ausnahmsweise Urlaub habe diese Woche ;-))
    Kati

    1. Hallöchen Kati,

      was soll ich sagen? Ich weiß selbst nicht, woher das kommt.
      Wie vielleicht auch durchgesickert ist, mochte ich das Buch, aber die Story selbst hätte mich erstmal nicht wirklich gejuckt. Eben wegen dieser ollen Jugendlichen.
      Nur durch die Rezension von Anabelle (Stehlblüten) bin ich auf das Buch gekommen und wollte ihm eine Chance geben.
      Ich glaube aber, Anabelle war immer noch ein Stückchen mehr begeistert vom Buch.^^°

      Six of Crows hab ich leider noch nicht gelesen. Aber ihr schwärmt alle davon so. Määäh! Hab es mittlerweile aber auf die Wunschliste gesetzt.
      Man sollte euch einen Maulkorb aufsetzen. Ihr beeinflusst mich da einfach so. 😉

      Dir einen erholsamen Urlaub! Ich hab auch bald.
      Wohlverdienten Geburtstags-Urlaub sozusagen. 😀

      Schönen Abend noch und herzliche Grüße in den Süden ♥
      Rebecca

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