Und es schmilzt Rezension | www.goldblatt-blog.de
Rezensionsexemplar  

Und es schmilzt. Lize Spit.

„Und es schmilzt“ von Lize Spit ist eigenwillig. Wahrscheinlich mit eins der eigenwilligsten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Lize Spit ist eine junge Debütautorin aus den Niederlanden, die mittlerweile in Brüssel lebt. Im niederländischen Raum wurde das Buch unter dem Originaltitel „Het melt“ preisgekrönt und erhielt Preise als bester Debütroman, sowie den Preis des niederländischen Buchhandels für den besten Roman des Jahres 2016 und dabei hat es auch einige kontroverse Stimmen hervorgerufen. Da kann man schon einmal neugierig werden, oder?

Lange hat es gebraucht, bis ich für dieses Buch Worte fand

Dieses Buch ist wahrlich nicht einfach. Nun gut, ich bin mit ein paar Erwartungen an das Buch herangegangen. Als ich das Buch gerade anfing zu lesen, kamen bereits die ersten Reaktionen und Stimmen zu dem Titel und die waren eben durchwachsen. Die einen lobten es als Debütroman einer jungen holländischen Autorin in den Himmel, die anderen wollten das Ding im Garten vergraben und am besten nie wiedersehen.

Literatur ist nicht immer einfach. Manchmal sogar verstörend. Man fragt sich, was dieses Buch bezwecken soll, wo die Inspiration hinter alledem steckt. Das beweist auch dieses Buch wieder. Dieses Buch hinterlässt einen als Leser irgendwo zwischen Schockstarre, Entsetzen und umtriebigen Voyeurismus. Und mir persönlich, das an dieser Stelle vorweg, hat das einfach nicht gefallen.

Als ich die ersten Seiten hinter mir gelassen hatte, war mir klar, dass man als Leser auf einen gewissen „Showdown“ hinliest. Wann der kommt oder wie der genau ausschaut, dass kann man vorher natürlich nicht wissen. Dennoch, je mehr ich in der Geschichte voranschritt, desto klarer wurde mir, dass dieses „Etwas“ groß, gravierend und mindestens genauso merkwürdig sein wird, wie so manch schräge Szene davor. Und ich sollte recht behalten. Es war fürchterlich, ich fand es ekelerregend und dieses beklemmende Gefühl, welches sich im Verlauf der Geschichte beim Leser einstellt und nicht mehr verschwand, erreichte einen Gipfel.

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Lize Spit hat prinzipiell etwas besonderes mit diesem Buch geschaffen. Warum? Weil ihr Schreibstil markant und doch klar ist. Sie schneidet mit den Worten klare Szenen, die einen gezielt als Leser ins Mark treffen. Was in „Und es schmilzt“ passiert, arbeitet im Hinterkopf des Lesers weiter. Augenscheinlich ist das erst einmal nur ein Buch über Familienprobleme, ein ödes Dorfleben und pubertäre Konflikte, die sich in dem Alter halt auftun. Doch wie all das passiert ist von 0815 weit entfernt.

Die verschiedensten Emotionen und Gedankengänge wie Unverständnis, Ratlosigkeit, Erschütterung und Wut verwirbeln zu einer dicken Masse, die am Ende eins bei mir hinterlassen hat: Beklommenheit. Das sollte, so komisch das auch klingt, erwähnt und gewürdigt werden.

Allerdings muss ich gestehen, dass das auch schon alles war, was ich dem Buch selbst abgewinnen konnte. Am Ende muss ich mich den Leuten anschließen, die einfach froh waren, als die letzte Seite gelesen war und man das Buch ins Regal wegstellen konnte.

Ich wurde während der ganzen Geschichte nicht richtig warm mit den Figuren, allen voran Eva, die Protagonistin. Sie war mir immer zu fern, nicht greifbar und auch ihre Handlungen konnte ich nicht richtig nachvollziehen. Vielleicht ist das sogar im Nachhinein nicht verkehrt. Wenn ich mir ausmale, wie mich die geschilderten Ereignisse berührt hätten, wenn meine Verbindung zu Eva intensiver gewesen wäre – nun ja, schön ist halt anders, nicht? Von ihren zwei Freunden Pim und Laurens will ich gar nicht erst richtig anfangen. Pubertät hin oder her, was da mit den beiden los war, war jenseits von Gut und Böse und kann ich noch heute nicht richtig als Leserin verwerten. 

Was ich aus diesem Buch ziehe? Die Abgründe des Menschen machen vor dem Alter keinen Halt und Unterschied. Jede Handlung hat ihre eigenen Konsequenzen und was für den einen eine kurze Episode sein kann, ist für jemand anderes die fortwährende Hölle auf Erden. 

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Für wen ist dieses Buch?

Auf jeden Fall nicht für Menschen, die eventuell durch Missbrauch und Gewalt getriggert werden könnten. Das was die Autorin in dem Buch beschreibt ist schon starker Tobak. Das ist schon für mich, der keinen Hintergrund in der Richtung hat, hart und auch leicht verstörend gewesen. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie das eben für jemanden ist, der so einen Hintergrund hat und so ein Buch liest. Zudem geht die Autorin sehr bildlich sehr stark ins Details, weswegen auch eine gewisse Ekelschwelle überschritten wird und das muss man aushalten können. Nichtsdestotrotz ist die Sprache und der Stil, wie die Autorin sehr eindrücklich den Leser in dieser Geschichte mitnimmt von einer gewissen Brillianz geprägt.


Highlights

  • eindringlicher Schreibstil
  • hier wird nichts beschönigt

Kritikpunkte

  • großer Trigger
  • nichts für schwache Nerven

 


Ähnliche Bücher

Auch wenn „Splitterfasernackt“ von Lilly Lindner autobiografisch geschrieben ist, erinnert es mich aufgrund der Beklemmung und des Triggermaterials im Buch auch an „Und es schmilzt“. Dazu ist Lilly Lindner ebenfalls eine Schriftstellerin, die genauso markant und eindrücklich schreibt, ähnlich wie Lize Spit.


Fazit

„Und es schmilzt“ ist ein Buch, was polarisiert. Entweder man mag es, oder eben nicht. Auf jeden Fall ist das Buch ein schwerer Brocken, der nichts für schwache Gelegenheitsleser ist und dazu ordentlich Triggermaterial beinhaltet. Das Buch ist so oder so mit Vorsicht zu „genießen“.


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Infos zum Buch

Titel: Und es schmilzt
Autor: Lize Spit
Übersetzer: Helga van Beuningen
Verlag: S. Fischer Verlag

Format: gebunden
Seiten: 512
ISBN: 978-3-1039-7282-5
Preis: 22,00 € [D], 22,70 € [A], 31,90 [CHF]

Klappentext

 


Weitere Rezensenten

 

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